Doha im Kunstfieber - Art Basel Qatar
An jeder Straßenlaterne im Design District flattern rote Banner, auf dem Platz vor dem Design Zentrum M7 ist ein roter Plastikteppich aufgeklebt und rund um das Gebäude weisen Schilder den Weg zu Kunstwerken. Vor dem Eingang wimmelt es von Menschen. Doha ist im Kunstfieber – denn in dem kleinen Emirat findet gerade die Premiere der Art Basel Qatar (ABQ) statt.
Diese Expansion der Schweizer Kunstmesse wurde letztes Jahr völlig überraschend angekündigt. Nach Basel, Miami, Hongkong und Paris jetzt also Katar – aber hat die Hauptstadt des kleinen Emirats Katar mit nur knapp 3 Millionen Einwohnern, mehr als 80 Prozent davon Expats, überhaupt einen Kunstmarkt? Galerien, Sammler* und auch Künstler*innen finden sich hier nur sehr wenige. Dafür ist die Kulturpolitik umso ambitionierter: Seit Jahren werden hochkarätige Museen gebaut. Dafür werden enorme Sammlungen aufgebaut – das war wohl auch ein wichtiger Anreiz für den Schritt der Galerien aus aller Welt in den Nahen Osten.
Es habe enormes Interesse gegeben, erzählt eine Galeristin. Zusammen mit dem Komitee entschied sich der künstlerische Leiter und Künstler Wael Shawky für 87 Galerien bzw. Einzelpositionen. Denn er wolle das bekannte Modell nicht in einer neuen Region wiederholen, erklärte er auf der Pressekonferenz. Stattdessen setzt er auf einen Schwerpunkt regionale Kunst, auf Solopräsentationen und auf Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum wie Jenny Holzers spektakuläre Nachtprojektion von Gedichtzeilen auf der Fassade des Islamischen Museums. Entstanden ist eine grandiose Kombination von Messe und Biennalen. Wie in einer Ausstellung gehen die kleinen, offenen Präsentationen in den beiden wenige Gehminuten voneinander entfernten Gebäuden ineinander über, schaffen spannende Korrespondenzen wie zwischen Matt Mullicans enzyklopädischem Werk (Thomas Schulte) und dem Wandobjekt von Donald Judd (Mignoni). 4000 VIPs wurden eingeladen, manche allerdings sagten ihre Reise kurzfristig wegen der US-amerikanischen Kriegsdrohung gegen den Iran ab. Aus den USA waren am ersten Tag nur wenig Klienten zu sehen. Dafür aus Deutschland, Frankreich, sogar aus Japan, wie jener Sammler, der sich für die Werke der saudischen Künstlerin Maha Mallouh (Galerie Krinzinger) interessiert. Die meisten stammen aus der Region, allen voran aus Dubai.
ABQ ist eine beeindruckend qualitätsvolle Messe mit Werken in Museumsqualität geworden. Aber wird hier tatsächlich gekauft? Zunächst gehe es um den Aufbau neuer Kontakte, es gebe intensive Gespräche, erklärte eine Mitarbeiterin von Hauser & Wirth, die Philipp Guston zeigen. Es gäbe schon Anfragen, heißt es bei Van de Weghe, die Werke von Picasso anbieten. Andere setzen nicht nur auf Klassiker, sondern auch auf Themen, wie z.B. die Galerie David Zwirner mit Marlene Dumas’ Bild von der überdimensionalen Mauer, die quer durch Bethlehem läuft, um Israel und das Westjordanland zu trennen. Käufe allerdings folgen hier einer anderen Geschwindigkeit – wie überhaupt das Motto dieser ABQ ´go slower go deeper´ ist. Nur wenige konnten schnelle Verkäufe melden wie Kalfayan mit den kleinformatigen Bildern von Farida El Gazzar. Aber die Galerien setzten nicht nur auf die angereisten Sammler*innen, sondern vor allem auf staatliche Ankaufsbudgets aus der Region, vor allem für das Art Mill Museum in Doha. Spätestens zur Eröffnung 2030 werden wir sehen, was Eingang in die neue Sammlung gefunden hat. (SBV)