Galerist Franz Dahlem verstorben

6. Januar 2026 · Personalien
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Der 1938 in München geborene Galerist und Kunsthändler Franz Dahlem, der die deutsche Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre auf besondere Weise prägte, ist mit 87 Jahren verstorben.

Ursprünglich als Bierbrauer und Buchhändler ausgebildet, lernte Franz Dahlem 1961 den Künstler Uwe Lausen in München kennen und organisierte eine Ausstellung in der Galerie Springer Berlin für ihn. So kam er in engen Kontakt mit der Kunst- und Galerieszene, die sein späteres Leben prägen sollte. Denn gemeinsam mit Heiner und Six Friedrich eröffnete Franz Dahlem bereits wenige Jahre später am 23. Juli 1963 die „Friedrich und Dahlem“ Galerie in der Maximilianstraße 15 in München. Eine der ersten Einzelausstellungen, die unter anderem den Ruf der Galerie bereiteten, galt dem damals noch recht unbekannten Cy Twombly. Im folgenden Jahr richteten sie unter anderem die erste große Einzelausstellung von Gerhard Richter in der Bundesrepublik Deutschland aus und schlossen direkt einen exklusiven 2-Jahres-Vertrag mit ihm. Auch Rauschenberg und Baselitz hatten 1965 große Präsentationen in der Galerie, gefolgt von Blinky Palermos erster Einzelausstellung 1966. Das Jahr 1966 brachte für Franz Dahlem dann einen Wendepunkt, denn nach Unstimmigkeiten mit Six und Heiner Friedrich verließ Dahlem zu Beginn 1967 die gemeinsame Münchner Galerie, um sich in Darmstadt in der Ahastraße 7 mit einer eigenen Galerie selbstständig zu machen. In Darmstadt zeigte er unter anderem die Ausstellung „Fettraum“ mit Werken von Joseph Beuys.

Zudem wurde er als persönlicher Berater für den Sammler Karl Ströher tätig. Auf Drängen von Franz Dahlem erwarb der Wella-Erbe Ströher die Sammlung des Amerikaners Leon Kraushar, wodurch eine der ersten umfangreichen Sammlungen der Pop Art nach Deutschland kam.

Auch für KUNSTFORUM hatte Franz Dahlem als früher Wegbegleiter eine besondere Bedeutung. Anfang der 80er Jahre leitete Dahlem die Dia-Art Foundation in Köln. In dieser Zeit wurde er auch auf das KUNSTFORUM aufmerksam, das Dieter Bechtloff nach Köln gebracht hatte. In seiner Erinnerung sagte er anläßlich des KUNSTFORUM Jubiläums: „… ich habe zusammen mit Heiner (Friedrich) versucht, beim KUNSTFORUM ein bisschen mitzumischen. Nicht weil wir das an uns reißen wollten – nein, wir wollten eine Gesellschaft etablieren, die sich für Kunst interessiert.“

Der Galerist Franz Dahlem inspirierte Künstler*innen wie Andy Warhol, Joseph Beuys, Blinky Palermo, Georg Baselitz, A.R. Penck, Donald Judd, Dan Flavin und viele mehr. Unermüdlich setzt er sich für Künstler*innen ein, ohne auf den persönlichen Profit zu achten. Eine Leidenschaft für die Kunst prägte sein Schaffen, das heute unter Kunsthändler*innen kaum mehr zu finden ist. Franz Dahlem bewunderte und beförderte ausgewählte Künstler*innen, denen er zu großem Ruhm verhalf und die ihrerseits zu ihm aufschauten. Stets war Dahlem auf der Suche nach der „guten“ Kunst und prägte dadurch die Kunstszene in Deutschland und darüber hinaus entscheidend mit.

Dazu in Band 288 erschienen:

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