Groß-Demos Pro Europa: „Genug ist genug!“

21. Mai 2019 · Nachrichten
Bookmark (0)
Please login to bookmark Close

Eine Woche vor den Europa-Wahlen fanden in vielen europäischen Städten Großdemos „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ statt. Allein in Köln kamen 45.000 Teilnehmer zu der Kundgebung der Musiker- und Künstlerinitiative „Arsch huh-Zäng useinander“ (kölsch für: „Hintern hoch – Zähne auseinander“). Einen Tag nach der Veröffentlichung eines Videos, in welchem der bisherige österreichische Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einem Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte daher schwadronierte und dabei eine zutiefst undemokratische Gesinnung und Bereitschaft zur Korrumpierbarkeit offenbarte, daraufhin zurücktreten musste und Bundeskanzler Sebastian Kurz mit der Bemerkung „Genug ist genug“ Neuwahlen für den Herbst ausrief, sammelte die Künstlerin Siglinde Kallnbach auf dieser Kölner Kundgebung Unterschriften für ihr Projekt „a performancelife“ unter eben jenem Slogan „Genug ist genug – nicht nur in Österreich“. Das tatsächlich Perfide an dem Skandal-Video ist ja die Tatsache, dass sich der Politiker Strache in seiner Rücktrittserklärung auch noch als ein „Opfer“ stilisierte, das durch ein fingiertes Interview hereingelegt wurde. Dabei spielt es angesichts von Heinz-Christian Straches höchst ungeheuerlichen Äusserungen nun wirklich keine Rolle, ob womöglich für „Verstehen Sie Spaß?“ mit versteckter Kamera gefilmt oder ob von einem Geheimdienst eine Falle gestellt wurde, oder – wie in den Sozialen Medien auch äusserst wüst spekuliert wurde – gar vom Satiriker Jan Böhmermann oder der Berliner Theaterkünstlertruppe „ZPS-Zentrum für politische Schönheit“. Das ZPS erklärte dazu in einer ersten Stellungnahme recht vage, es äussere sich nicht zu den inneren Angelegenheiten anderer Länder. Unabhängig vom Zustandekommen des Videos analysierte Werner J. Patzelt, Professor für Politologie an der TU Dresden, Heinz-Christian Straches mangelnde charakterliche Eignung für öffentliche Ämter im Berliner „Tagesspiegel“ und mahnte die gleichfalls korruptionsanfälligen Klüngelbrüder andernorts, aus ihrem Glashaus jetzt nicht allzu selbstgefällig mit Steinen zu werfen: „Straches Auftritt in der Ibiza-Villa hat weniger mit rechtsradikalen oder völkischen Haltungen zu tun als mit politischer Hintertriebenheit und der Neigung zu arroganter Manipulation auf Korruptionsbasis. Derlei dürfte in den höheren politischen Rängen von nicht wirklich ethisch gefestigten Parteien immer wieder vorkommen.“ Die juristisch umstrittene Verletzung von Straches Privatsphäre vergleichen manche Zeitungskommentatoren indes mit mit der Legitimität der Veröffentlichung der „Panama“-Papers oder den Enthüllungen von „Wikileaks“ – auch dort überwiege das Interesse der Öffentlichkeit nach Transparenz gegenüber anderen Interessen. In Deutschland ist die Rechtslage über heimlich beschafftes journalistisches Material geklärt: die „BILD“-Zeitung scheiterte 1984 mit ihrer Klage gegen Günter Wallraff, der sich für sein Buch „Der Aufmacher – der Mann, der bei BILD Hans Esser war“ undercover in die Redaktion eingeschlichen hatte.

Dazu in Band 205 erschienen:

Bookmark (0)
Please login to bookmark Close

Weitere Nachrichten


DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Zeichne!

Von der Linie zur Kunst

02 Stefan Marx, Zusammenstellung von 4 Zeichnungen aus der Serie: Zeichnung / Drawing, Berlin 2022, © Stefan Marx

Zeichne!

Ein Instrument fürs Leben, Denken und die Kunst.

Romain Fueler, Ohne Titel, 2022, Alkoholmarker, 21 × 25 cm, © Romain Fueler

Gezeichnet

Sieben aktuelle Positionen

Markus Vater, 2023, in Installation Dark Dogs Frightened Cats Z3 Contemporaries , Schwäbisch Hall, © Foto: Markus Vater, VG Bild-Kunst Bonn 2026

Markus Vater

Es kann überall passieren. Zeichnen ist ein ins Außen verlagertes Denken

Jean Tinguely, Méta-Matic No. 1, 1959, Metall, Papier, Filzstift, Motor, 96 × 85 × 44 cm, Centre Pompidou-CNAC-MNAM, Paris, Inv. Nr. AM1976-544, © bpk / CNAC-MNAM, Foto: Philippe Migeat

Zeichenmaschinen

Zwischen Mechanik, Künstlicher Intelligenz und manueller Produktion

Kristian Jarmuschek, Foto: © Clara Wenzel-Theiler

Ein Medium mit sehr intuitivem, spontanem und emotionalem Potenzial

Ein Interview mit Kristian Jamuschek

Nadine Fecht

Nadine Fecht

Mit 9.000 Kugelschreibern – Modell einer offenen Gesellschaft

Isabelle Brourman, Eröffnungsplädoyers, Prozess wegen Schweigegeldzahlungen, 22.4.2024, Mischtechnik auf handgeschöpftem Shizen-Papier, 48 cm × 64 cm, © Courtesy: Isabelle Brourman; Kommentar der Künstlerin: Die Staatsanwaltschaft legte der Jury dar, dass Trump ein Verbrechen gegen die Demokratie begangen habe. Blanche, Trumps Anwalt, stimmte zu, dass es sich um eine politische Angelegenheit handele – eine Hexenjagd der Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten

Zeichnen im Gerichtssaal

„Ein Theaterstück mit den extremsten Konsequenzen“

Lee Quiñones © Foto: Stanley Lumax

Lee Quiñones 

Zeichnen war der erste Schritt um die Herausforderungen der Yards zu meistern. Über das Zeichnen in der New Yorker Graffiti-Szene

Michael Tedja, Foto: Tom Haartsen

Michael Tedja

Die Realität ist, dass das Bild ohne Fiktion nicht existieren kann.

Heidi Bruck, Die drei Figuren, 2014, Buntstift auf Papier, 70 × 100 cm, © Courtesy: Galerie ART CRU Berlin, Heidi Bruck

Art Brut aktuell?

Die Galerie ART CRU Berlin und ein Begriff in der Diskussion

Jeff Wall

Kontrollierte, aber unvorhersehbare Prozesse

Vom Tanz mit dem zentnerschweren Pinselpendel

Zur Malerei von Fabienne Verdier

Inge Krause, Foto: Jenny Schäfer

Inge Krause

Irisglimmen

Galerie Mathias Güntner 8.11.2025–28.2.2026

Orlan, Défiguration–refiguration, auto-hybridation précolombienne nr 4, 2016, Mobilier national, Paris, Inv. Nr. BV 511, VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Welt aus Fäden

Bildteppiche der Moderne

Museum der Bildenden Künste 11.12.2025–12.4.2026

Cauleen Smith vor ihrer Arbeit Parrots and Ravens, 2025, Foto: Andre Germar

Cauleen Smith

The Volcano Manifesto

Kestner Gesellschaft 12.12.2025–22.3.2026

Ed Atkins, Warm, Warm, Warm Spring Mouths, 2013, HD Video, Dauer 12 Min. 50 Sek., Farbe, Ton, Installationsansicht Incarnate, Langen Foundation und Julia Stoschek Foundation, Foto: Simon Vogel

Incarnate

Langen Foundation 9.11.2025–22.3.2026

Jana Gunstheimer, Into the Garden, 2025, Leimfarbe, Pigment, Lack auf Papier, 176 × 227 cm, Copyright: Jana Gunstheimer, Foto: Jana Buch, Neue Galerie Gladbeck

Jana Gunstheimer

Treibstoff

Neue Galerie 28.11.2025–15.2.2026

John Bock, Hell’s Bells, Summenmutation, 2017, Video, 2017, Farbe 89:26 Minuten, Installationsansicht aus Nixnutz Climax in Haus Mödrath – Räume für Kunst, © John Bock, Courtesy: der Künstler und Sadie Coles HQ, Foto: David Schultz

John Bock

Nixnutz Climax

Haus Mödrath – Räume für Kunst 12.10.2025–30.8.2026

Ausstellungsansicht Kerstin Brätsch, M TAATEM, MUNCH Oslo 2025, Foto: Ove Kvavik

Kerstin Brätsch

MƎTAATEM

Kunstmuseum Bonn 11.12.2025–12.4.2026

Asta Gröting, Foto: Jennifer Endom, © 2024 Asta Gröting, VG Bild-Kunst, Bonn

Asta Gröting

Ein Wolf, Primaten und eine Atemkurve

Städel Museum 5.9.2025–12.4.2026

Ulla von Brandenburg, Ein roter Schatten und ein grüner Geist, 2025, Installationsansicht Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Christian Kleiner

Ulla von Brandenburg

Von Rot bis Grün, alles Gelb vergeht

Wilhelm-Hack-Museum 29.11.2025–6.4.2026

VENEDIG
BIENNALE