Titel: Vom Ende der Demokratie , 2010

Raimar Stange

DemonstARTion. Zum Verhältnis von Kunst und postdemokratischer Politik

I. Vorhut?

Freiheit kann man nicht simulieren“, steht auf einem Schild geschrieben, das ein Demonstrant selbstbewusst in die Höhe hält. Diese Situation von Rirkrit Tiravanija kann mindestens in dreierlei Hinsicht gedeutet werden: Erstens erkennt der Künstler, dass Freiheit und damit auch die Demokratie bedroht ist. Slavoj Žižek setzt das Datum des „Zusammenbruches der liberal-demokratischen Utopie“ bekanntlich recht plakativ mit dem 11. September 2001 fest. 1 Zweitens zeigt die Arbeit „o. T.“, 2003, dass Meinungsäußerungen im Rahmen von Demonstrationen ein auch für die Kunst adäquates Medium sind. Dieser Umstand ist vor allem in strukturellen Parallelen zwischen Demonstration und Kunst begründet, die einer näheren Betrachtung durchaus wert sind. Und drittens können am Sujet „Demonstration“ zentrale Probleme der Postdemokratie von KünstlerInnen thematisiert werden: zum Beispiel der Abbau freiheitlich-demokratischer Bürgerrechte, nicht nur in den USA, die Übernahme der politischen Gewalt durch sogenannte „Global Player“ sowie die damit einhergehende Entmachtung nationaler Demokratien, schließlich die, dank gnadenloser Kommerzialisierung affirmative Gleichschaltung von Erziehung und Presse.2 Es ist also kein Zufall, dass sich immer wieder KünstlerInnen mit dem Thema Demonstration auseinandersetzen, so auch Aernout Mik und Carsten Höller, Martha Rosler und Mike Kelley, Silke Wagner und Elke Marhöfer, Artur ¯mijewski und Oliver Ressler, Renée Green und Raymond Pettibon, Andrea Geyer/Sharon Hayes, Minerva Cuevas und Andreas Siekmann, Yael Bartana usw. Zu einigen von diesen KünstlerInnen gleich mehr.

II. Strukturelles

Das „Genre“ Demonstration stellt meist, ähnlich wie die Avantgarde, eine Bewegung dar, die zu den Grundrechten fast aller demokratischer Staaten gehört. Dabei zeichnet die Demonstration…

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von Raimar Stange

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