Titel: Vom Ende der Demokratie , 2010

Almut Linde

Nur das autonome Kunstwerk ist politisch.

Betrachtungen zu Ästhetik und Propaganda

1. Rhetorik

Schon die Rhetoriker der griechischen Antike wussten um die Macht der richtig eingesetzten Worte. Im selben Umfeld, in dem sich das politische System der Demokratie entwickelt, setzt auch die Perfektionierung der Kunst der Rede ein. Ästhetik der Rede und des Wahlkampfs hat ihren Ursprung in der Notwendigkeit der geschickten Beeinflussung der Massen. Mehrheiten müssen gebildet werden, um politische und rechtliche Entscheidungen zu befördern. Das Recht zur Wahl beinhaltet die Notwendigkeit der Überzeugungs- und Meinungsbildung. Das Volk muss in die Lage versetzt werden, Entscheidungen zu treffen. Dass Überzeugungsbildung nicht durch bloß ausgesprochene Wahrheit, sondern durch die Kunst, also eine Ästhetik der Sprache als geschickten Einsatzes der Worte geschieht, ist eine folgenschwere Erkenntnis der griechischen Antike.

2. Propaganda

Der Begriff Propaganda erscheint 1622 in der von Papst Gregor XV. (1554–1623) veröffentlichten Bulle zur Verbreitung des katholischen Glaubens und der Missionierung der Neuen Welt. Propaganda, ist politische Aktivität mit dem Ziel der Machterhaltung und -verbreitung. Propaganda als manipulative Darstellung einseitig ausgewählter Inhalte, verbunden mit Zielen der politischen Einflussnahme ist insbesondere durch den in die extreme getriebenen Missbrauch im Stalinismus und Nationalsozialismus negativ behaftet. Im Dritten Reich verbindet der Propagandaminister Joseph Goebbels amerikanische Werbung mit Sowjetagitation. Er lässt sich inspirieren von kapitalistischer Werbung, Disneyfilmen, kommunistischen Aufmärschen und Sowietpropaganda. Ein Beispiel dafür, wie die tatsächlichen in der Propaganda angewendeten Werte von den vorgegebenen Werten abweichen, verkörpert das 1932 veröffentlichte Wahlplakat der NSDAP. In diesem werden die moderne Sprache der amerikanischen Produktwerbung und avantgardistische Typografie zur Wahlpropaganda…

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