Titel: Vom Ende der Demokratie , 2010

Felix Droese

Wir sind nur elende Stümper.

Kunst und politisches Bewusstsein

Ein Gespräch mit Oliver Zybok

Felix Droese sucht mit seiner Kunst die unmittelbare Kommunikation mit dem Betrachter. Weil er wie Joseph Beuys und andere politisch engagierte Künstler seine Teilnahme an den Begebenheiten der Welt zum Ausdruck bringt, ist er als Künstler nicht selten unumstritten. Droese spricht in diesem Zusammenhang von der Kunst als einer angewandten Erkenntnis. Sein Werk umfasst neben Papierschnitten, Malerei, Zeichnungen, Aquarellen und Holzdrucken ebenso skulpturale Objekte und installative Arbeiten. Droeses Beitrag zur documenta 7 in Kassel im Jahr 1982, die Schattenriss-Installation „Ich habe Anne Frank umgebracht“, erregte großes internationales Aufsehen, wie auch sein „Haus der Waffenlosigkeit“ 1988 im Pavillon der Bundesrepublik Deutschland bei der Biennale Venedig.

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Oliver Zybok: Das gegenwärtige allgemeine gesellschaftliche Bewusstsein, ob in der Politik, Wirtschaft, Kunst oder in anderen Bereichen, läuft den traditionellen Emanzipationsidealen von Aufklärung, Gerechtigkeit und Solidarität offensichtlich zuwider. Daraus resultiert ein eingeschränkter, auf Anpassung an das Bestehende ausgerichteter Realitätssinn, der die politische Moral aushöhlt und damit das Fundament unserer Demokratie gefährdet.

Felix Droese: Es gilt das, was Emil M. Cioran in seiner Lehre vom Zerfall bereits Ende der 1940er Jahre gesagt hat: Der Nihilismus ist noch nicht abgeschlossen. Die Menschen sind von den politischen und kulturellen Systemen erschöpft und enttäuscht. Wie es so schön heißt, die größte Nation ist die Resignation und ihr Glaubensbekenntnis heißt: Wir sind ganz elende Stümper. Darum sehen wir überall kollektive Besäufnisse als kulturelle Veranstaltungen, siehe Loveparade, Christopher Street Day, Oktoberfest, Fußball etc. Das Ende der Sozialdemokratisierung birgt viel vergiftete Ammenmilch. Das…

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