Hamburg: Irritationen um Gastprofessur für zwei ruangrupa-Mitglieder

10. Oktober 2022 · Hochschulen
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Wie „Spiegel Kultur“ berichtete, treten zum jetzigen Wintersemester zwei Mitglieder des kuratorischen documenta 15-Teams ruangrupa, nämlich Reza Afisina und Iswanto Hartono, eine DAAD-Gastprofessur an der HfbK Hamburg an. „Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert ausländische Gastdozenten“ zwecks ‚Internationalisierung der deutschen Hochschulen‘, heißt es dazu. Den Förderantrag hatte die HfBK bereits im Januar 2022 gestellt. Inzwischen geriet die d 15 wegen Antisemitismus-Vorwürfen jedoch zu einer Skandalveranstaltung, weshalb die Berufung mit erwartbaren äusserst harschen Reaktionen kritisiert wird, so dass sich die Einlassung von HfbK-Präsident Martin Köttering in der Pressemitteilung als Verteidigungsrede liest: „Die aufgeworfenen Fragestellungen der documenta fifteen sind ausgesprochen relevant für unsere Studierenden. Kunsthochschulen sind Orte der gesellschaftlichen und künstlerischen Debatten und vor allem des gemeinsamen Voneinander-Lernens. Es gilt, Widersprüche und Dissonanzen auszuhalten und Räume für differenzierte Aussagen zu schaffen – darin liegt die Qualität einer demokratischen Diskussionskultur. Wir wollen innerhalb der Kunsthochschule Gelegenheit geben, die verschiedenen Fragestellungen in all ihrer Brisanz ernsthaft und in einer respektvollen Atmosphäre zu reflektieren.“ Das ist ein Bekenntnis zur akademischen Freiheit und zum freimütigen Disput über unterschiedliche Lehrmeinungen, doch das sehen nicht alle so. Im Blog der „Ruhrbarone“ kommentiert z.B. der Gastautor Jonas Dörge den Vorgang mit den Worten: „Vier der zehn oder elf Mitglieder der Ruangrupa haben den antisemitischen Brandbrief A Letter Against Apartheid unterzeichnet. Natürlich werden zwei von den vieren nun mit dem Posten einer Gastprofessur an der Hochschule für bildende Künste Hamburg versorgt.“ Der Grünen-Politiker Volker Beck polemisiert gegen die Berufung noch härter mit den Worten: „Antisemitismus-Toleranz schadet in Deutschland nicht. Israelhass ist karrierefördernd.“ Afisina und Hartono teilen sich auch eine Gastprofessur an der Kunsthochschule Kassel, wo sie bereits im Sommersemester 2022 lehrten und dies nun im Wintersemester fortsetzen. Es sei üblich, dass die beiden als documenta-Kuratoren auch solche Lehrveranstaltungen übernähmen, heißt es. Volker Beck indessen protestierte beim Auswärtigen Amt gehen die Verleihung der Gastprofessur an die beiden Kuratoren. Denn diese ist in seinen Augen ein „fatales Signal für die deutsche auswärtige Kulturpolitik und das Bekenntnis zu Israels Sicherheit und Existenz im Koalitionsvertrag“. Inzwischen führt die Hamburger Wissenschaftsbehörde Gespräche mit der HfbK. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Die Grünen) erklärte dazu, ruangrupa und damit auch ihre beiden Mitglieder stehen nach wie vor „in der Verantwortung“, die Antisemitismus-Vorwürfe in Zusammenhang mit der d 15 aufzuklären; dürften „keine offenen Fragen im Raum stehen, wenn Mitglieder des Kollektivs in Hamburg lehren sollen.“

Dazu in Band 279 erschienen:

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