Hans Ulrich Obrist: "Serpentine Gallery wird grün"

7. Februar 2020 · Personalien

Hans Ulrich Obrist, Leiter der Londoner Serpentine Gallery, kündigte in der „The Art Newspaper“ an, zum 50-jährigen Jubiläum ihres Bestehens werde die Institution „grün“: er selbst wolle künftig seine Flugreisen „deutlich reduzieren“. Obrist verwies in diesem Zusammenhang auf seinen Freund, den 2017 verstorbenen Künstler Gustav Metzger, der immer wieder gefordert habe, Künstler sollten Werke schaffen, die sich mit den akuten Gefahren beschäftigen, denen eine Gesellschaft ausgesetzt ist. Vor allem die Kunstszene solle ihren Einfluss nutzen, „um die Menschen für die Gefahr einer Zerstörung unseres Planeten zu sensibilisieren“. In der Tat kann man in ökologischer Hinsicht auch den in den letzten 20 Jahren massenhaft angewachsenen Kunsttourismus kritisch sehen, der seinen größten „ökologischen Fußabdruck“ in jenen Jahren hinterlässt, wenn zeitlich die Art Basel, die Documenta-Eröffnung in Kassel, die Biennale von Venedig und die Skulpturprojekte Münster zusammenfallen und dann die Publikumskarawane innerhalb von zwei Wochen von Ort zu Ort pilgert. Dass aber im Sinne von Hilmar Hoffmanns Credo in einer demokratischen Weise „Kultur für alle“ da sein und nicht eine luxuriöse Angelegenheit nur für eine kleine Elite sein soll, und da auch das Internet nicht immer und überall die Anschauung des Originals ersetzt, ist ein Dilemma, das den Museums- und Biennale-Managern neue Herausforderungen beschert, wie sich ihre Vermittlungsarbeit und Klimaschutz aufeinander abstimmen lassen. Hans-Ulrich Obrist: „Ecology will be at the heart of everything we do“.

Dazu in Band 144 erschienen: