Kontroverse um Leipziger Jahresausstellung geht weiter

19. Juni 2019 · Kulturpolitik
Bookmark (0)
Please login to bookmark Close

Mit einer Woche Verspätung begann schließlich doch noch die Leipziger Jahresausstellung auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei– allerdings ohne öffentliche Vernissage und ohne den Maler Axel Krause, der erst ein- und dann wieder ausgeladen worden war. Krause gilt als AfD-nah und hatte Pegida und die Identitären als „einen zu begrüßenden Beitrag zur Gesellschaft“ bezeichnet, weshalb seine Einjurierung innerhalb der Leipziger Kunstszene zu einer heftigen Kontroverse führte: Der Vorstand des Vereins Leipziger Jahresausstellung e.V. (LIA) lud ihn wieder aus, trat zurück und sagte die Ausstellung schließlich ganz ab. Doch dann wurde sie nachgeholt – mit einer Erwähnung des ausgeladenen Axel Krause im schon vorher produzierten Katalog. Doch damit war die Kontroverse nicht beendet, denn eine Podiumsdiskussion, zu der Direktor Alfred Weidinger ins Museum der bildenden Künste eingeladen hatte, wurde schließlich ebenfalls abgesagt. Hierzu war auch Axel Krause als Teilnehmer vorgesehen, doch weil der von ihm geforderte Mit-Diskutant, der Autor Hans-Joachim Maaz, keine offizielle Einladung erhielt, verweigerte Krause sein Mitwirken. In der Diskussion, wie weit die Meinungs- und Kunstfreiheit ginge, ob man bei einem Künstler wie Axel Krause Werk und private Lebensführung trennen könne und müsse und ob seine politische Haltung sich auch in seiner Malerei widerspiegele, ob mithin die Ausladung Krauses aus der Ausstellung vertretbar war, bezog auch Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) Position: „Wenn eine Fachjury entschieden hat, dass ein Werk dieses Malers aus künstlerischen Gründen gezeigt werden sollte, dann muss diese Entscheidung gelten…“ Für bildende Künstler wie für Verlage, die rechte Literatur verbreiten und sich um die Teilnahme an Buchmessen bewerben, müsse laut Stange gelten: „Ein Ausschluss ist keine Lösung, solange nicht extremistische Meinungen vertreten werden, die als verfassungsfeindlich eingestuft werden.“ Museumsdirektor Alfred Weidinger kündigte unterdessen an, anstelle der abgesagten Podiumsdiskussion eine Veranstaltungsreihe zu initiieren, um die Ängste zu thematisieren, die Leipzigs Kunstszene in der aktuellen Stimmungslage spürt. Gegenüber dem NDR erklärte Weidinger: „…wenn ich von den neurechten Akteuren höre, dass sie die freie Szene in dieser Art und Weise nicht mehr fördern und auf Theater einwirken wollen – das ist keine Entwicklung, die ich als Museumsdirektor positiv finde… Wenn Künstlerinnen und Künstler, für die wir uns einsetzen, Sorgen haben, dann ist das etwas, was uns nicht kaltlässt… Es geht um die Einschränkung dieser Freiheit, und das ist das, was uns offensichtlich auch bevorsteht…“

Dazu in Band 254 erschienen:

Bookmark (0)
Please login to bookmark Close

Weitere Nachrichten


DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Zeichne!

Von der Linie zur Kunst

02 Stefan Marx, Zusammenstellung von 4 Zeichnungen aus der Serie: Zeichnung / Drawing, Berlin 2022, © Stefan Marx

Zeichne!

Ein Instrument fürs Leben, Denken und die Kunst.

Romain Fueler, Ohne Titel, 2022, Alkoholmarker, 21 × 25 cm, © Romain Fueler

Gezeichnet

Sieben aktuelle Positionen

Markus Vater, 2023, in Installation Dark Dogs Frightened Cats Z3 Contemporaries , Schwäbisch Hall, © Foto: Markus Vater, VG Bild-Kunst Bonn 2026

Markus Vater

Es kann überall passieren. Zeichnen ist ein ins Außen verlagertes Denken

Jean Tinguely, Méta-Matic No. 1, 1959, Metall, Papier, Filzstift, Motor, 96 × 85 × 44 cm, Centre Pompidou-CNAC-MNAM, Paris, Inv. Nr. AM1976-544, © bpk / CNAC-MNAM, Foto: Philippe Migeat

Zeichenmaschinen

Zwischen Mechanik, Künstlicher Intelligenz und manueller Produktion

Kristian Jarmuschek, Foto: © Clara Wenzel-Theiler

Ein Medium mit sehr intuitivem, spontanem und emotionalem Potenzial

Ein Interview mit Kristian Jamuschek

Nadine Fecht

Nadine Fecht

Mit 9.000 Kugelschreibern – Modell einer offenen Gesellschaft

Isabelle Brourman, Eröffnungsplädoyers, Prozess wegen Schweigegeldzahlungen, 22.4.2024, Mischtechnik auf handgeschöpftem Shizen-Papier, 48 cm × 64 cm, © Courtesy: Isabelle Brourman; Kommentar der Künstlerin: Die Staatsanwaltschaft legte der Jury dar, dass Trump ein Verbrechen gegen die Demokratie begangen habe. Blanche, Trumps Anwalt, stimmte zu, dass es sich um eine politische Angelegenheit handele – eine Hexenjagd der Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten

Zeichnen im Gerichtssaal

„Ein Theaterstück mit den extremsten Konsequenzen“

Lee Quiñones © Foto: Stanley Lumax

Lee Quiñones 

Zeichnen war der erste Schritt um die Herausforderungen der Yards zu meistern. Über das Zeichnen in der New Yorker Graffiti-Szene

Michael Tedja, Foto: Tom Haartsen

Michael Tedja

Die Realität ist, dass das Bild ohne Fiktion nicht existieren kann.

Heidi Bruck, Die drei Figuren, 2014, Buntstift auf Papier, 70 × 100 cm, © Courtesy: Galerie ART CRU Berlin, Heidi Bruck

Art Brut aktuell?

Die Galerie ART CRU Berlin und ein Begriff in der Diskussion

Jeff Wall

Kontrollierte, aber unvorhersehbare Prozesse

Vom Tanz mit dem zentnerschweren Pinselpendel

Zur Malerei von Fabienne Verdier

Inge Krause, Foto: Jenny Schäfer

Inge Krause

Irisglimmen

Galerie Mathias Güntner 8.11.2025–28.2.2026

Orlan, Défiguration–refiguration, auto-hybridation précolombienne nr 4, 2016, Mobilier national, Paris, Inv. Nr. BV 511, VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Welt aus Fäden

Bildteppiche der Moderne

Museum der Bildenden Künste 11.12.2025–12.4.2026

Cauleen Smith vor ihrer Arbeit Parrots and Ravens, 2025, Foto: Andre Germar

Cauleen Smith

The Volcano Manifesto

Kestner Gesellschaft 12.12.2025–22.3.2026

Ed Atkins, Warm, Warm, Warm Spring Mouths, 2013, HD Video, Dauer 12 Min. 50 Sek., Farbe, Ton, Installationsansicht Incarnate, Langen Foundation und Julia Stoschek Foundation, Foto: Simon Vogel

Incarnate

Langen Foundation 9.11.2025–22.3.2026

Jana Gunstheimer, Into the Garden, 2025, Leimfarbe, Pigment, Lack auf Papier, 176 × 227 cm, Copyright: Jana Gunstheimer, Foto: Jana Buch, Neue Galerie Gladbeck

Jana Gunstheimer

Treibstoff

Neue Galerie 28.11.2025–15.2.2026

John Bock, Hell’s Bells, Summenmutation, 2017, Video, 2017, Farbe 89:26 Minuten, Installationsansicht aus Nixnutz Climax in Haus Mödrath – Räume für Kunst, © John Bock, Courtesy: der Künstler und Sadie Coles HQ, Foto: David Schultz

John Bock

Nixnutz Climax

Haus Mödrath – Räume für Kunst 12.10.2025–30.8.2026

Ausstellungsansicht Kerstin Brätsch, M TAATEM, MUNCH Oslo 2025, Foto: Ove Kvavik

Kerstin Brätsch

MƎTAATEM

Kunstmuseum Bonn 11.12.2025–12.4.2026

Asta Gröting, Foto: Jennifer Endom, © 2024 Asta Gröting, VG Bild-Kunst, Bonn

Asta Gröting

Ein Wolf, Primaten und eine Atemkurve

Städel Museum 5.9.2025–12.4.2026

Ulla von Brandenburg, Ein roter Schatten und ein grüner Geist, 2025, Installationsansicht Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Christian Kleiner

Ulla von Brandenburg

Von Rot bis Grün, alles Gelb vergeht

Wilhelm-Hack-Museum 29.11.2025–6.4.2026

VENEDIG
BIENNALE