Künstler der Übermalung Arnulf Rainer mit 96 Jahren gestorben

23. Dezember 2025 · Personalien
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Der österreichische Künstler Arnulf Rainer, der vor allem für seine Übermalungen bekannt geworden ist, verstarb am 18. Dezember 2026 zehn Tage nach seinem 96. Geburtstag in Oberösterreich.

Im Jahr 1929 in Baden bei Wien zur Welt gekommen, war er von 1940 bis 1944 als Schüler an der Napola, der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt in Traiskirchen, die er jedoch nach einem Streit mit seinem Kunsterzieher wieder verließ, wie auch zwei Kunsthochschulen, an denen er jeweils kurze Zeit studierte. Denn die Akademie für angewandte Kunst in Wien wie auch die Akademie für bildende Künste in Wien verließ er nach Konflikten bereits nach wenigen Tagen wieder. Auf Wunsch seiner Eltern studierte er von 1947 bis 1949 Hochbau an der Bundesgewerbeschule in Villach.

Vorrangig autodidaktisch künstlerisch ausgebildet, erprobte Rainer in den 1950er-Jahren unterschiedliche Kunstrichtungen und orientierte sich beispielsweise am Surrealismus wie auch Informel. In dieser Zeit entstanden auch erste Übermalungen von bestehenden Fotografien und Gemälden, mit denen er später internationalen Ruhm erhalten sollte. Hierbei veränderte er Originale anderer Künstler*innen wie auch Reproduktionen mit teils wilden Farbsetzungen. Künstler*innen wie Georges Mathieu, Emilio Vedova, Sam Francis und Victor Vasarely stellten ihm in der Phase zwischen 1958 und 1963 Arbeiten zur Verfügung, die er übermalen durfte.

1950 gründete er zusammen mit Ernst Fuchs, Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky und Josef Mikl die „Hundsgruppe“, mit der er ein einziges Mal ausstellte. Im Sommer 1951 besuchte er gemeinsam mit Maria Lassnig André Breton in Paris. Im darauffolgenden Jahr zeigte Rainer Arbeiten in einer Ausstellung in der Galerie Kleinmayr in Klagenfurt und in der Zimmergalerie Franck in Frankfurt am Main. Entscheidend war seine Bekanntschaft im Jahr 1953 mit dem katholischen Priester Otto Mauer, der kurz darauf die Galerie nächst St. Stephan gründete und insbesondere die österreichische Avantgarde zeigte. Unter der Leitung von Otto Mauer gründeten dann auch die Künstler Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky, Josef Mikl und Arnulf Rainer 1956 die Malergruppe „Galerie St. Stephan“.

Nach Stationen in der ehemaligen elterlichen Villa in Gainfarn bei Bad Vöslau, lebte und arbeitete Arnulf Rainer im Laufe seines langen Lebens unter anderem auch in Berlin, München und Köln, bevor er 1967 wieder nach Wien zog. 1974 wurde Arnulf Rainer für den Kunstpreis der Stadt Wien ausgewählt, weigerte sich jedoch an der Preisverleihung teilzunehmen, sodass ihm der Preis wieder aberkannt wurde. Doch bereits wenige Jahre später erhielt er 1978 den Großen Österreichischen Staatspreis.

Die Werke Rainers wurden international gezeigt. Er nahm 1977 an der documenta 6 teil und vertrat 1978 Österreich auf der Venedig-Biennale. Ab 1978 war er Mitglied des Österreichischen Kunstsenates, erhielt im Jahr 1981 eine Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien und wurde auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Es folgten bedeutende internationale Ausstellungen, unter anderem im Centre Pompidou in Paris und im New Yorker Guggenheim Museum. Nach einem Einbruch in sein Atelier an der Wiener Akademie der Künste 1995, bei dem 40 Werke des Künstlers beschädigt wurden, gab Arnulf Rainer seine Professur auf und konzentrierte sich wieder alleinig auf seine Kunst. Er beschuldigte einen ehemaligen Studenten, seine Arbeiten schwarz übermalt zu haben und erkrankte daraufhin.

Arnulf Rainer experimentierte nicht zuletzt mit verschiedenen Bewusstseinszuständen und nahm auch Malexperimente unter Drogeneinfluss vor. Nach zahlreichen großen Ausstellungen in namhaften Institutionen wurde 2009 in seinem Geburtsort in Baden bei Wien ein Arnulf Rainer Museum eröffnet.

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