Lockdown und Klimaschutz: Museen in der Krise

20. Januar 2021 · Museen & Institutionen

„Lockdown-Ende in Frankreich: Das kulturelle Leben hat das Nachsehen“: Mit diesen Worten fasste der Autor Damien Wander auf „Arte“ die Stimmung unter den französischen Kulturschaffenden zusammen, die unter den Corona-Maßnahmen leiden und für die nähere Zukunft einen strukturellen Kahlschlag befürchten. Denn allein der Louvre meldet durch den Besucherrückgang im Jahr 2020 einen Verlust von 90 Mill. Euro. Auch der Deutsche Museumsbund klagt: „Viele Häuser sind wegen ausbleibender Einnahmen und begonnener Spardebatten in ihrer Existenz bedroht“. In Deutschland sind die Museen seit Anfang November 2020 geschlossen, und dass der aktuelle Lockdown nach jüngsten Politikerbeschlüssen mindestens bis zum 14. Februar 2021 verlängert wurde, heizt die Debatte an, inwieweit Kunst und Kultur „systemrelevant“ seien. In der „Süddeutschen Zeitung“ äusserte sich dazu die Sammlerin Julia Stoschek mit den Worten, „während der Schließungen im Frühjahr und Herbst“ vergangenen Jahres habe sie ja eingesehen, „dass Kunst für den Moment nicht ’systemrelevant‘ ist. Jetzt aber, angesichts der strengen Maßnahmen über diesen langen Zeitraum, ist sie gesellschaftlich nötig – vor allem vor dem Hintergrund, dass der Lockdown womöglich noch sehr lange dauern wird.“ Schließlich verfügen die Museen über ausreichend Fläche und die Möglichkeit zu adäquaten Hygienekonzepten. Wenn in der Politik ernsthaft darüber diskutiert wird, im Lockdown die leeren Museumsräume für den Schulunterricht zu nutzen, weil sonst in den Klassenräumen die Abstände zwischen den Pulten zu kurz wären, lautet die logische Frage, warum dann nicht auch Führungen für Erwachsene in Kleingruppen mit Maske möglich sein sollten. „ Es entzieht sich meinem Verständnis, dass unsere Häuser geschlossen bleiben müssen“, sagt Julia Stoschek, und auch Susanne Gaensheimer, Direktorin der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW, plädiert dafür, die Maßnahmen zu überdenken: „Wenn der Lockdown noch länger anhalten sollte, müssen wir stärker differenzieren: Wo sind in unserer Gesellschaft die Orte, an denen man sich geschützt aufhalten kann? Wir könnten Rettungsinseln sein“. Es geht aber letztlich nicht nur um Finanzen und um eine aktuelle kulturelle Grundversorgung, sondern auch darum, wie sich die Kulturbranchen in den kommenden Jahren nicht nur wegen den Nachwirkungen der Corona-Krise auf grundsätzliche strukturelle Veränderungen einstellen müssen. Denn dass ein Massentourismus mit Kreuzfahrtschiffen künftig wieder die Altstadt von Venedig heimsucht, mag sich momentan niemand vorstellen, und in Sachen Klimaschutzpolitik werden auch vermehrt kritische Stimmen laut. So lässt in der „Berner Zeitung“ der Journalist Christoph Heim die Direktorin der Tate Modern in London, Francis Morris, zu Wort kommen: ihr Museum habe am CO 2-Ausstoß einen jährlichen Anteil von 26.000 Tonnen, „während die Millionen Besucher, die das Museum noch letztes Jahr stürmten, mit ihren Reisen das Zehnfache, also 260.000 Tonnen CO 2 pro Jahr ausstossen würden. Sie ist überzeugt davon, dass das so nicht weitergehen könne und die Tate Modern sich künftig nicht mehr auf die Easy-Jet-Touristen, sondern nur noch auf die Menschen aus Greater London ausrichten müsse“.

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