Rosa von Praunheim mit 83 Jahren verstorben

19. Dezember 2025 · Personalien
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Der Film- und Theaterregisseur, Produzent, Künstler und entscheidender Aktivist der LGBTQ-Bewegung Rosa von Praunheim, mit bürgerlichem Namen Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, geboren als Holger Radtke, ist am 17. Dezember 2025 in Berlin mit 82 Jahren gestorben. Auf besondere Weise verstand Rosa von Praunheim es, Filmkunst mit seinem Engagement für die Schwulenbewegung zu verbinden. Er ist ein wichtiger Vertreter des Neuen Deutschen Films und beeinflusste die Kunstszene auf vielfältige Weise. Über 150 Filme drehte er in etwa 50 Schaffensjahren, von denen viele Werke queere Themen transportieren, weswegen er auch als Schlüsselfigur des deutschen queeren Films gilt.

So bereitete Rosa von Praunheim unter anderem mit Filmen wie „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von 1971 den Weg für die politische Bewegung Homosexueller, die heutzutage als LGBTQ-Szene bezeichnet wird. Seit Mitte der 1980er-Jahre steht auch die AIDS-Prävention im Zentrum seines Filmschaffens.

Rosa von Praunheim ist in Riga geboren und wuchs in Teltow-Seehof in Brandenburg auf, von wo seine Familie 1953 erst nach Wesel und dann nach Frankfurt am Main flüchtete. Schon während seiner Gymnasialzeit führte er ein Theaterstück auf: „Pyramus et Thisbe“ aus Ovids Metamorphosen, bevor die Schule noch vor der Mittleren Reife verließ, um sich ganz dem Künstlerdasein widmen zu können. Ein Jahr studierte er an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und wechselte daraufhin an die Universität der Künste in West-Berlin, wo er Malerei studierte, die Uni jedoch vor seinem Abschluss wieder verließ. Fortan arbeitete er als freischaffender Künstler in Berlin und nahm Mitte der 1960er Jahre seinen Künstlernamen an, der sowohl an den Rosa Winkel der Nationalsozialisten, mit dem sie Homosexuelle kennzeichneten, wie auch an den Frankfurter Stadtteil, in dem er aufwuchs, erinnert.

Erste Filme drehte er dann ab Ende der 1960er-Jahre, mit denen er schnell bekannt wurde. Für seinen Film „Schwestern der Revolution“ von 1969 erhielt er seinen ersten Filmpreis beim Internationalen Filmfestival Mannheim. Auch in der Kunstszene wurde das Schaffen von Praunheims beachtet. So nahm er unter anderem 1972 an der documenta 5 in Kassel in der Abteilung „Filmschau: Anderes Kino“ mit seinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ teil, der seine Uraufführung 1971 bei der Berlinale hatte. Daraufhin wurde der Film auch im Museum of Modern Art in New York und im National Film Theatre in London gezeigt. Auch sein zweiter Spielfilm „Die Bettwurst“ von 1971 in Camp-Ästhetik wurde zum Kultfilm, viele weitere folgten und wurden prämiert. So wurde beispielsweise sein Film „Can I Be Your Bratwurst, Please?“ von 1999 auf über 250 Filmfestivals gezeigt, darunter auch die Internationalen Filmfestspiele von Cannes. 2013 wurde Rosa von Praunheim als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Films mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet.

Von 1999 bis 2006 hatte von Praunheim eine Professur für Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf inne und war zudem Dozent an verschiedenen Kunst- und Filmhochschulen. Seine Malereien und Zeichnungen präsentierte Rosa von Praunheim seit Ende der 1960er Jahren immer wieder.

Noch kurz vor seinem Tod heiratete er seinen Lebensgefährten und Assistenten Oliver Sechting mit der er seit 2008 liiert war.

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