Tricia Tuttle bleibt Chefin der Berlinale
Im Rahmen der Diskussionen um die Chefin der Internationalen Filmfestspiele Berlin steht nach einer weiteren Sitzung des Aufsichtsrats des Festivals fest, dass Tricia Tuttle weiterhin als Direktorin der Berlinale im Amt bleibt, jedoch unter bestimmten Vorgaben.
Denn die Geschehnisse führten zu neuen Maßgaben für Kulturveranstaltungen, die staatlich gefördert werden. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte am 4. März 2026, dass ein beratendes Forum für die Filmfestspiele geplant sei und er einen Verhaltenskodex für staatlich (ko-)finanzierte Kulturveranstaltungen entwickeln lassen möchte. Somit wird weiterhin politischer Erwartungsdruck ausgeübt.
Weimer führte aus, dass mit diesen Empfehlungen der „Grundstein zur Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz des Festivals gelegt“ sei und betonte: „Die Kunst und die Künstler sollen wieder im Zentrum der Berlinale stehen.“ Hierauf verkündete Tuttle, dass sie das Festival weiter leiten möchte und die Empfehlungen „sorgfältig prüfen“ werde. Sie dankte dem Gremium für einen konstruktiven Dialog und dass „die Bedeutung der Unabhängigkeit unserer Arbeit erneut hervorgehoben“ wurde.
An dieser scheinbaren Personalfrage werden zugleich Fragen institutioneller Unabhängigkeit verhandelt, wie inzwischen zahlreiche Kulturschaffende anmahnen. Einen ersten offenen Brief zur Unterstützung von Tricia Tuttle haben inzwischen nahezu 2.500 Kulturschaffende unterzeichnet, darunter auch Berühmtheiten wie Tom Tykwer und Tilda Swinton. Zudem veröffentlichten mehr als 30 Direktor*innen internationaler Filmfestivals kürzlich eine Solidaritätserklärung. In ihrem Schreiben heißt es: „Die echte Meinungsfreiheit zu unterstützen – auch das Recht, unpopuläre Ansichten zu äußern – war noch nie so wichtig.“
Auch von ihrem eigenen Team erhielt Tuttle großen Rückhalt. Etwa 500 Mitarbeiter*innen der Berlinale unterzeichneten ebenfalls einen offenen Brief, in dem sie die klare Haltung und umsichtige Führung ihrer Direktorin betonten. Tricia Tuttle freut sich über die Unterstützung und betont: „Das Festival und ich wollen die gemeinsame Arbeit im gegenseitigen Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen.“
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