Virtuelle Art Basel Hong Kong: eine Bilanz

26. März 2020 · Messen & Märkte

Lohnen sich in Krisenzeiten mit Grenzschließungen und Versammlungsverboten Online Viewing Rooms als Ersatz für physische Kunstmessen? Die virtuelle Messe zur ausgefallenen Art Basel Hongkong, die gerade zu Ende ging und an der 90 Prozent der Aussteller teilnahmen, immerhin 235 Galerien, offenbarte, dass es auch im Internethandel zugeht wie im realen Leben: die Global Player machen auch per Mausklick am PC gute Geschäfte, doch „viele Galerien, vor allem kleinere und mittlere, bangen in Paris, London, New York und Berlin um ihre Existenz“, weiß die „Leonberger Kreiszeitung“ unter Berufung auf dpa zu berichten. Werner Tammen, Vorsitzender des Landesverbandes Berliner Galerien, rechnet „ohne finanziellen Schutzschirm in den nächsten Monaten mit Insolvenzen“ in seiner Branche. Viele Galerien sind unterkapitalisierte Kleinbetriebe; für sie ist das wirtschaftliche Überleben auch schon in „normalen“ Zeiten schwierig genug, vor allem in Berlin, wo nach den Boom-Jahren in der Millenium-Ära die Galerienszene schon seit Jahren bis heute kontinuierlich kleiner geworden ist. Ohne nebenbei Kunsthandel zu betreiben und ohne als ambitionierte Programmgalerie auch etablierte Namen mit kunsthistorisch bedeutsamem Renommee vertreten zu dürfen, kommt kaum eine Galerie finanziell gut über die Runden. Das Online-Geschäft ist daher ein „wichtiger Kanal“, so heißt es, doch auch hier machen Händler die Erfahrung, dass gerade bei sehr teurer Kunst manche Sammler auf jeden Fall erst einmal das Original begutachten wollen, bevor sie eine definitive Kaufentscheidung treffen. So wird in dem Bericht über die Basler Online-Messe der Galerist Thaddaeus Ropac zitiert, der im Internet einen Interessenten für ein Werk von Robert Rauschenberg traf, das eine Million kosten soll, doch der Interessent wolle sich die Arbeit erst einmal in Paris ansehen, sobald die Krise vorbei sei und Ropac seine dortige Dependance wieder öffnen dürfe. Das kann man aber nicht generalisieren, denn andererseits meldet David Zwirner den Verkauf eines 2,6 Mill. Euro teuren Bildes der Künstlerin Marlene Dumas auf der virtuellen Messe.

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