Monografie , 1982

Kleines Spiel oder großer Schrecken

Skulpturen von Hubert Kiecol
von Annelie Pohlen

Als Michael Schwarz 1981 in der Gegen-Bilder betitelten Karlsruher Ausstellung eine Korrektur der vehement aufziehenden Einheitsvorstellung von der „wilden“ jungen deutschen Kunst versuchte, war Hubert Kiecol mit von der Partie. Mit einer beispielhaft lapidaren Inszenierung von Skulptur und einer ebenso beispielhaft irritierenden Stellungnahme zur Architektur, die sich einst stolz die Mutter der Künste, mithin auch der Skulptur, nennen konnte, war dies nach einem ersten Auftreten in der Hamburger Produzenten-Galerie der Einstieg des in Hamburg lebenden, an der dortigen Hochschule für Bildende Künste u.a. bei Gotthard Graubner ausgebildeten Künstlers (geb. 1950) in eine sich allmählich verdichtende Ausstellungskette.

Im documenta-Jahr stellte Kiecol seine Arbeit während der Hamburger Kunsttage in der Halle 6 vor. Diese (abgesehen von den folgenden Präsentationen bei Arno Kohnen in Düsseldorf und Max-Ulrich Hetzler in Stuttgart sowie der Teilnahme am 1. Salon der Kunsthalle Köln) eindrucksvolle Präsentation seiner Arbeit in einer monumentalen Hamburger Fabrikhalle beleuchtete auf einprägsame Weise den Stellenwert Kiecols in der aktuellen Kunstszene.

Wie kaum ein anderer der dort beteiligten 28 Künstler zweier Generationen ‚probte‘ er ‚den Aufstand‘ gegen die Monumentalität und das Ambiente der Halle. Seine an den gewohnten Ausdehnungen von Skulptur rüttelnden kleinen Architekturen aus Beton standen mitten im Raum auf dem Zementboden, ohne eigentlichen Anlaß, ohne Hervorhebung, dem Raum überlassen, in Material und Farbe dem Boden verwandt. Nach menschlichem Ermessen hätten sie auf Grund ihrer Höhe von 32 cm im monumentalen Umfeld der kunstfernen Architektur und in Konkurrenz zu den Monumenten der älteren und jüngeren Künstlerkollegen…

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