Kommentar · von Klaus Honnef · S. 199
Kommentar , 1976

Klaus Honnef

Tagebuch

13. Folge

Mittwoch, den 21. April

Zunächst hatte ich die Einladung nicht so recht ernstgenommen. Wer wollte mich schon auf seine Kosten nach Belgrad einladen, lediglich zur Besichtigung einer Ausstellung und zur Teilnahme eines damit verbundenen Kongresses ohne ausdrückliche Verpflichtung auf ein Referat oder Ähnliches? Inzwischen bin ich aufgeklärt, hektische Telefonate zwischen Bonn und Belgrad haben dies bewirkt. Alljährlich veranstaltet das Studenten-Zentrum in Belgrad eine Art ungezwungener Zusammenkunft von Künstlern, Kritikern und Museumsleuten aus aller Welt. Früher haben sich die Organisatoren die eher Arrivierten des Kunstbetriebs zumal der westlichen Hemisphäre ausgesucht, jetzt setzen sie lieber auf die, die sich noch nicht in festen Bahnen bewegen. Dem Gebrauch der technischen und elektronischen Medien in der zeitgenössischen Kunst sind Ausstellung und Kongreß gewidmet. Der Aufwand ist, sogar gemessen an hierzulande, vergleichsweise beträchtlich; das Interesse und die Begeisterungsfähigkeit der Beteiligten – und es gibt nur solche! -, sei es auf Seiten der Organisatoren, der Künstler und des – überwiegend jüngeren, studentischen -Publikums indes übertrifft das, was wir seit langem aufzubieten haben. Harte Auseinandersetzungen von Anfang an, doch sowohl fundiert, auf die Sache bezogen und von geradezu brennender Wißbegierde gekennzeichnet. Das Festival ist beinahe schon beendet, nur noch dieser und der nächste Abend dienen der Vorführung bestimmter künstlerischer Aktionen, die gleich mithülfe eines Videogerätes aufgenommen werden.

Donnerstag, den 22. April

Erstaunt bin ich, als ich erfahre, daß man in Jugoslawien eine Ausstellung über das Problem der Selbstreflexion in der Malerei bereits zu Beginn der siebziger Jahre gemacht hat. Tendenzen sind darin behandelt, Fragen angeschnitten worden, …

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