AICA-Auszeichnungen des Jahres 2025 in Hamburg verliehen

4. Februar 2026 · Preise
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Die deutsche Sektion des internationalen Kritiker*innenverbands AICA hat auf ihrer Jahresversammlung am Samstag den 1. Februar 2026 in der Hamburger Kunsthalle die Auszeichnungen „Besondere Ausstellung 2025“, „Ausstellung des Jahres“ und „Museum des Jahres“ vergeben.

Zum „Museum des Jahres 2025“, das in einem zweistufigen Auswahlverfahren durch die AICA Deutschland bestimmt wird, wurde das Georg Kolbe Museum in Berlin gewählt. Dazu werden von einer Jury, zu der für 2025 Jan Verwoert, Annelie Pohlen und Sabeth Buchmann gehörten, Vorschläge gemacht, die dann der Jahresversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Maßgeblich für die Auswahl sind zukunftsweisende Konzepte der Museumsarbeit, nachhaltige Forschungsarbeit mit der eigenen Sammlung, kuratorische Sorgfalt, vorbildliche Vermittlungsarbeit und hohe Standards bei Klimagerechtigkeit und Mitarbeiter*innenführung. Nominator Jan Verwoert lobte „hinsichtlich zahlreicher, für Aufgaben und Möglichkeiten von Museen heute entscheidender Gesichtspunkte das hervorragende Programm des Hauses“, das seit 2022 von Dr. Kathleen Reinhardt geführt wird und im letzten Jahr sein 75-jähriges Bestehen feierte. „Der Leitung gelingt es, unter budgetär höchst prekären Bedingungen einen Ort zu schaffen, der auf kleinstem Raum und beispielhafte Weise Konzentration, Selbstreflexion und kritisches Engagement in der Beschäftigung mit der eigenen Sammlung und aktuellen Kunst möglich macht“, so Verwoert.

Die „Ausstellung des Jahres“ wurde „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“, die vom 3. Oktober 2025 bis 11. Januar 2026 im Museum Ludwig Köln und vom 10. April bis zum 17. August 2025 im Museum Brandhorst in München zu sehen war. Für die Wahl zur Ausstellung des Jahres bestimmt eine fünfköpfige Jury eine Shortlist, aus der die Mitgliederversammlung der AICA mehrheitlich die Preisträgerin bestimmt. Nominatorin der Gruppe Ulrike Lehmann sieht das große Verdienst der Ausstellung darin, dass sie „die enge Verbindung der fünf Künstler und ihre Entwicklung nachzeichnet und dabei anhand der Werke auch die gesellschaftliche und politische Lage für queere Menschen in der McCarthy – Zeit für unsere Gegenwart reflektiert“. Weitere Mitglieder der Shortlist-Jury waren Elke Buhr, Oliver Hardt, Catrin Lorch und Ellen Wagner.

Die Solo-Schau von „Małgorzata Mirga Tas. Eine alternative Geschichte“, die noch bis zum 15. März 2026 im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen ist, wurde als „Besondere Ausstellung 2025“ ausgezeichnet. Jurorin für die „Besondere Ausstellung“ war Ann-Katrin Günzel. Mirga Tas, so Günzel, dekonstruiere herkömmliche Geschichtsschreibung, „indem sie sie durch neue, intensive und zugleich poetische Bilder ersetze, sodass sie aus einer historischen Abwesenheit eine starke Gegenwart erschafft.“ Dies sei gerade in einem europaweiten Klima der erstarkenden rechten Parteien ein visionärer Hinweis auf die Möglichkeit neuer Perspektiven.

Außerdem wurde auf der diesjährigen Mitgliederversammlung ein neuer AICA-Vorstand gewählt: Autor und Kunstkritiker Carsten Probst übernahm das Amt des Präsidenten und Sabine Maria Schmidt wurde als Vize-Präsidentin neu gewählt, während Ellen Maria Wagner in ihrem Amt als Vize-Präsidentin bestätigt wurde, ebenso Jeannette Brabenetz in ihrem Amt als Schatzmeisterin.

Zum zentralen Thema der AICA-Jahrestagung, dem „Umgang mit Kunstfreiheit im deutschen Kulturbetrieb“ fand eine Podiumsdiskussion statt, bei der Nora Sternfeld, Professorin der HFBK Hamburg, sagte, dass es für eine Debattenkultur in Deutschland „Räume brauche, in denen Zuhören stattfindet“ und AICA-Präsident Carsten Probst erläuterte, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland seien zwar verfassungsrechtlich geschützt. Dennoch werde mitunter indirekt politisch in die Unabhängigkeit von Institutionen eingegriffen, anstatt diese zu einer offenen Debattenkultur zu ermuntern.

 

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