Preis der Nationalgalerie 2026 geht an Maurizio Cattelan

5. November 2025 · Preise

Der Künstler Maurizio Cattelan (*1960, Padua) wird mit dem Preis der Nationalgalerie 2026 ausgezeichnet.

Cattelan gilt als einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart. Seine Werke, die sich zwischen Skulptur, Installation und konzeptueller Praxis bewegen, sind geprägt von scharfem Humor, bitterem Ernst und einer tiefgehenden Reflexion gesellschaftlicher Strukturen. Zu seinen ikonischsten Werken zählen unter anderem La Nona Ora (1999), eine von einem Meteoriten getroffene Figur Papst Johannes Pauls II., Him (2001), ein betender Schuljunge mit dem Gesicht Adolf Hitlers oder Untitled (2003), eine animatronische Skulptur, die auf dem Protagonisten des Romans Die Blechtrommel von Günter Grass verweist. Besondere Aufmerksamkeit erlangte auch eine Skulptur von ihm, für die er eine Banane mit Gaffatape an die Wand der Art Basel in Miami Beach. Die Arbeit wurde später auf einer Auktion für 6,2 Millionen Dollar versteigert.

Die Jury, die sich aus den internationalen Museumsdirektor*innen Emma Lavigne (Direktorin der Pinault Collection, Paris), Sam Keller (Direktor der Fondation Beyeler, Basel) und Klaus Biesenbach (Direktor der Neuen Nationalgalerie) zusammensetzte, begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Cattelans Werk ist geprägt von Themen wie Macht, Religion, Tod, Humor und Erinnerung – Fragestellungen, die in Berlin mit seiner komplexen Geschichte besonders präsent sind. Als italienischer Künstler, der international wirkt, bringt er eine dezidiert europäische Perspektive auf Fragen von Identität, Verantwortung und kollektiver Erinnerung. Seine Arbeiten laden dazu ein, Geschichte provokant, kritisch und zugleich poetisch zu denken. Gerade in Deutschland, wo die Formen des Erinnerns derzeit neu verhandelt werden – zwischen den letzten Generationen mit direkter Verbindung zur NS-Zeit oder Prägung in den Nachkriegsjahrzehnten und einer jüngeren Generation, die globale Perspektiven einbringt –, erhält Cattelans Werk besondere, aktuelle Relevanz.“

Die Ausstellung zum Preis der Nationalgalerie wird zur Berlin Art Week im September 2026 in der Neuen Nationalgalerie eröffnet. Es wird die erste Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland sein.

Der Preis der Nationalgalerie feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen und versteht sich „als Würdigung, die die Internationalität und Lebendigkeit der aktuellen Kunstszene abbildet und in einem institutionellen Rahmen weiterdenkt“. Er wird 2026 in einem neuen Format erstmals in der Neuen Nationalgalerie fortgeführt. Künftig werden in Form einer Einzelausstellung Künstler*innen geehrt, die international Maßstäbe setzen und deren Werk in Berlin bislang nicht umfassend präsentiert wurde.

www.preis.freunde-der-nationalgalerie.de

Dazu in Band 215 erschienen:


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