Rundgang in Düsseldorf: Reisestipendien vergeben
Dieses Wochenende findet der traditionelle Rundgang an der Kunstakademie Düsseldorf statt, die gerade nach der durch Studierende der Hochschule im Januar erfolgten Einladung der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif in den Schlagzeilen ist.
Die jüdische Gemeinschaft, die der Künstlerin Antisemitismus vorwirft, hatte den Rücktritt der Hochschulrektorin gefordert, diese berief sich wiederum auf die Kunst- und Diskursfreiheit. Die Stimmung nahm auch Einfluss auf den Akademierundgang, dessen Eröffnung etwa die Stadtspitze und Kulturministerin Ina Brandes fernblieben. Der Rundgang ist seit Mittwoch und noch bis Sonntag jeweils von 10-20 Uhr für alle Interessierten geöffnet. Die Studierenden stellen hier wie jedes Jahr ihre Arbeiten zum Abschluss des Wintersemesters aus. Darunter die bereits prämierten Präsentationen der Studierenden Antonia Hermes (Klasse Prof.in Nina Canell) und Tayyib Sen (Klasse Prof.in Alexandra Bircken) sowie die gesamte Klasse Prof.in Josephine Pryde. Sie erhalten das Reisestipendium der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf und damit verbunden ein kostenloses KUNSTFORUM-Digital-Abo.
Antonia Hermes, die in der Klasse von Prof.in Nina Canell studiert, zeigt auf der Zwischenebene des Klassenraums die mehrdimensionale Arbeit All aaf, die eine Beschäftigung mit historischen Technologien, gesellschaftlichen Strukturen sowie biografischen Bezügen vereint. Mit dem Titel der Arbeit – einem Wortspiel des kölschen „alaaf“ – sowie mit drei Fotografien aus dem Familienarchiv, die die Großmutter der Künstlerin bei einer Parade und einer Büttenrede zeigen, stellt Hermes Bezüge zum Brauchtum her.
Die Klasse für Fotografie, die im Oktober 2025 von der britischen Künstlerin Josephine Pryde übernommen wurde, präsentiert auf dem diesjährigen Winterrundgang eine gemeinsame Arbeit: Bulletin Board und Bulletin Board II. Darin beschrieben und diskutierten die Studierenden die Werke ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen wobei diese auf dem Rundgang selbst nicht zu sehen sind; lediglich die Titel sind einer ausliegenden Liste zu entnehmen.
Die Arbeit von Tayyib Sen aus der Klasse von Prof.in Alexandra Bircken basiert auf handelsüblichen Drahtkleiderbügeln, deren Gestaltung und Produktion unmittelbar mit seiner Funktion und Funktionalität verknüpft sind. Die standardisierten Bügel werden von ihrem ursprünglichen Zweck gelöst und, vielfach addiert, zu einem neuen Ganzen zusammengesetzt. Die Bügel treten hier als Readymades sowie als Material auf.
Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden am Donnerstag, 5. Februar 2026, im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ausgezeichnet. Dieses Jahr ist die Dotierung der Stipendien erhöht worden und beträgt erstmalig insgesamt 9.000 Euro. Durch die Stipendien soll die künstlerische Entwicklung der Studierenden im Rahmen einer individuell zu bestimmenden Reise erfolgreich vorantreiben. “Für viele der bisherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten war das Stipendium eine wegweisende und oft erste Auszeichnung ihrer künstleri-schen Laufbahn”, heißt es. Die Jury setzte sich aus Gloria Hasnay (Direktorin) und Clara Maria Blasius (kuratorische Assistenz) des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen sowie Stefan G. Drzisga (Geschäftsführer) und Esther Breinig (Kuratorin) der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf zusammen.
Eine Reise nach Düsseldorf lohnt sich an diesem Wochenende auch über den Akademierundgang hinaus: So eröffnet am Freitag, den 6.2., im Kunstverein der Rheinlande und Westfalen, dessen Gebäude nun nicht wie geplant zur Sanierung schließt, die Installation „bravo“. Das Projekt an der Schnittstelle von Performance, Musik und Installation wurde vom Künstler Solomon Garçon konzipiert und umfasst künstlerische, musikalische und visuelle Beiträge von Paride Maria Calvia, Taylor Thoroski und Precious Renee Tucker.
Dazu in Band 274 erschienen: