Teilnahme Russlands an Venedig-Biennale 2026 bestätigt

5. März 2026 · Biennalen

Nachdem Russland seinen Nationalpavillon während der vergangenen beiden Biennale-Ausgaben nicht bespielt hat, wird das Land trotz des anhaltenden Angriffskriegs auf die Ukraine  offiziell an der diesjährigen 61. Venedig Biennale teilnehmen. Der russische Pavillon in den Giardini soll ein Projekt beherbergen, an dem mehr als fünfzig Künstler*innen aus Russland und anderen Ländern beteiligt sein werden.

Nach Moskaus Invasion der Ukraine im Februar 2022, hatten die beiden russischen Künstler Kirill Savchenkov und Alexandra Sukhareva, die damals ausstellen sollten, ihre Teilnahme zurückgezogen und den Krieg sehr deutlich als „politisch und emotional unerträglich” bezeichnet. Für sie gebe in diesem Kontext keinen Platz für Kunst, woraufhin der Pavillon geschlossen bleiben würde. Zwei Jahre später, 2024, ging der Schlüssel des russischen Pavillons an Bolivien, ohne dass ein offizielles Kommuniqué von russischer Seite herausgegeben wurde.

Nun hat der russische Delegierte für den internationalen Kulturaustausch, Mikhail Shvidkoi, der zugleich Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit und ehemaliger Kulturminister ist, die Teilnahme Russlands bestätigt und in einem Statement gesagt: „Wir suchen einfach nach neuen Formen der kreativen Tätigkeit unter den gegenwärtigen Umständen. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die russische Kultur nicht isoliert ist und dass die Versuche der westlichen politischen Eliten, sie in den letzten vier Jahren ‚auszulöschen‘, nicht erfolgreich waren. Genau aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, ein Projekt ins Leben zu rufen, in dem eine mehrsprachige Polyphonie der Kulturen zu hören ist, die sich nicht als Randgruppen des Westens betrachten.”

Als Kommissarin des Nationalpavillons von Russland wurde Anastasiia Karnejewa ausgewählt. Sie ist die Tochter des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Rostec, Russlands staatlicher Rüstungsholding. Im russischen Pavillon der diesjährigen Venedig-Biennale werden laut offiziellen Angaben unter dem Titel „The Tree is Rooted in the Sky” folgende Künstler*innen präsentiert: Lizaveta Anshina, Ekaterina Antonenko, Vera Bazilevskikh, Antonio Buonuario, Serafim Chaikin, DJ Diaki, Marco Dinelli, Timofey Dudarenko, Faina, Zhanna Gefling, Oleg Gudachev, Atosigado y Herrica, Sofya Ivanishkina, Jaijiu, JLZ, Tatiana Khalbaeva, Alexey Khovalyg, Daria Khrisanova, Nikita Korolev, Oksana Kuznetsova, Roman Malyavkin, Petr Musoev, Artem Nikolaev, Veronika Okuneva, Valerie Oleynik, Georgy Orlov-Davydovsky, Yaroslav Paradovsky, Bogdan Petrenko, Alexey Retinsky, Ekaterina Rostovtseva, Antonina Sergeeva, Mikhail Spasskii, Lukas Sukharev, Alexey Sysoev, Olga Talysheva, Ilya Tatakov, Alexey Tegin, Maria Vinogradova.

Bei Finestre sullArte ist zu lesen, dass die Biennale von Venedig auf die Frage zur Wiedereröffnung des russischen Pavillons klarstellte, dass die Institution nicht über die nationale Teilnahme entscheidet, sondern die einzelnen Länder entscheiden, ob sie an der Veranstaltung teilnehmen oder nicht.

Die regierungskritische russische Künstler*innengruppe Pussy Riot, die aufgrund ihrer Aussagen seit Jahren Drohungen seitens der russischen Regierung ausgesetzt ist, bereits mehrfach verhaftet wurde und deren Mitglieder derzeit im Ausland leben, entgegnete diesem Argument der “eigenen Entscheidung” auf Instagram, dass der Pavillon in den Giardini und somit auf italienischem Staatsgebiet stehe und keineswegs eine Botschaft darstelle oder einen diplomatischen Satus genieße, weswegen es durchaus eine Entscheidung der italienischen Regierung sei, ob Russland teilnehmen dürfe oder nicht. Sie bezeichnen die Teilnahme Russlands als eine “kulturelle Expansion des imperialen Russlands in das Herz Europas” und kündigten an, mit einer Intervention zur Biennale zu kommen, um unbegrenzte Unterstützung für die Ukraine auszudrücken. Während die besten Einwohner*innen Russlands im Gefängnis säßen, öffne Europa jetzt seine Türen für Putins Propagandist*innen.

Dazu in Band 282 erschienen:


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