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Titel: 59. Biennale Venedig - Analyse · von Michael Hübl · S. 72 - 79
Titel: 59. Biennale Venedig - Analyse ,

Im Schatten

Wie der Krieg in der Ukraine auf die Biennale durchschlägt
von Michael Hübl

Verheißungsvolle Zeiten: Als 1989 Robert Rauschenberg im Rahmen seines globalisiert angelegten ROCI-Projekts Moskau aufsuchte, fragten Künstler aus dem Umkreis der „Pervaya galereya“ (Erste Galerie) den US-Amerikaner, ob er mit ihnen ausstellen würde. Rauschenberg sagte nicht nur zu, er schenkte seinen frisch gewonnenen Freunden in der Hauptstadt der damals noch real existierenden UdSSR eines seiner Werke. So entstand die Ausstellung „RAUSHENBERG TO US, WE TO RAUSHENBERG“ [sic!].1 Rauschenberg und einige der Künstler, die er in Moskau kennengelernt hatte, sollten im Folgejahr die Sowjetunion auf der 44. Biennale di Venezia repräsentieren. Ein Dialog auf Augenhöhe, wie Vladimir Goriainov, der Kommissar des Russischen Pavillons betonte.2

Tatsächlich dominierte der amerikanische Protagonist der Pop Art die Präsentation. Es war, als wollte er einen Beleg für Francis Fukuyamas seinerzeit frisch kursierende These liefern, mit dem Zusammenbruch des Kommunismus habe sich das auf Liberalismus, freier Marktwirtschaft und Demokratie basierende westliche System konkurrenzlos durchgesetzt. Davon kann keine Rede mehr sein.

Einer der Künstler, die damals mit Rauschenberg in Kontakt standen, war Nikolaj Kozlov. Von ihm existiert eine Arbeit, die er „Nicht schlafen!“ (1989) genannt hat. Der Weckruf steht auf einem Bettbezug, auf dem sich wie Wanzen oder Kakerlaken kleine Panzer breit machen. Ein karoförmiger, bordierter Ausschnitt gibt den Blick frei auf eine vermeintlich blutgetränkte Decke; auf einem Kopfkissen ruht das Modell eines Militärflugzeugs mit Rotkreuz-Zeichen. Die Botschaft auf dem Bettzeug ist auf Deutsch, denn Kozlov wollte mit seiner Collage an den Überfall des NS-Staats auf die Sowjetunion,…

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