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Titel: 59. Biennale Venedig - Analyse · von Ingo Arend · S. 88 - 91
Titel: 59. Biennale Venedig - Analyse ,

Zwischen Mystik und Posthumanität

Feministischer Paradigmenwechsel
Mit „The Milk of Dreams“ gelingt Cecilia Alemani in Venedig eine historische Biennale – mit kleinen Schönheitsfehlern

von Ingo Arend

„Violencia Estructural“. Das Plakat des Künstlers Herbert Rodríguez im Peruanischen Pavillon [S. 347] aus dem Jahr 1959 wirkt wie aus einer anderen Zeit. Wohlfeile Solidaritätsgesten, drastische Zeichen oder folgenlose Proteste zu den Konflikten der Welt haben im Kunstbetrieb oft etwas peinlich Selbstberuhigendes. Doch die Kumulierung der globalen Krisen, vom Krieg in der Ukraine über diverse Geno- bis zu den drohenden Ökoziden in deren Schatten in diesem Jahr die 59. Biennale von Venedig eröffnet wurde, hätte ein sichtbares Zeichen dieses splendiden closed shop gerechtfertigt.

Der scheinbar überholte Agit-Prop-Modus eines John Heartfield oder Klaus Staeck, dem auch der glücklicherweise wiederentdeckte Rodríguez anhängt, wäre hier angebracht gewesen. Doch die pandemiegebeutelte Szene lieferte an der Lagune einmal mehr den Beweis, wie ihr Selbstreferentialität in die DNA eingeschrieben ist: Überschwängliches Wiedersehen, soziale Autopoiesis via Umarmung und Aperol-Spritz-Szenerien für Instagram. Sieht man von dem kurzen Protest vor dem geschlossenen Russischen Pavillon in den Giardini ab. Oder von der flammenden Videobotschaft des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi, der die Künstler*innen an der Lagune dazu aufforderte, den „Kampf mit Kunst zu unterstützen“. Wobei man sich fragte, was genau das hätte sein können: Schwere Waffen in Öl?

Selbst Pavlo Makov hält sich in seinem Beitrag für den winzigen, in einen Durchgang gepferchten ukrainischen Pavillon zurück. Das Remake des berühmten Kunstwerks „Fountain of Expression Acqua Alta“ des ukrainischen Künstlers aus Charkiw, welches er 1995 als Metapher auf die Lage nach…

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