VIENNA ART WEEK 2025: „Learning Systems“

11. November 2025 · Aktionen & Projekte
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Was wissen wir? Warum? Und wer hat uns die Dinge, die wir glauben zu wissen, beigebracht?

Diese Fragen stellt die Hauptausstellung der diesjährigen Vienna Art Week unter dem Titel „House of Learning Systems“ im Funkhaus im 4. Bezirk und fordert Besucher*innen zu nicht weniger auf, als alles Gelernte zu verlernen und neue Wege des Lernens zu entdecken. Ein riesiges Plakat mit der einfachen Frage „Warum?“ begrüßt die Besucher*innen bei ihrem Weg in die Ausstellungshalle und gleich am Eingang der von Art Week-Gründer Robert Punkenhofer und Işın Önol co-kuratierten Schau stellt eine Installation von Bernd Oppl unsere Perspektive auf den Kopf. Ein schräg installiertes Architekturmodell, durch das ein Wasserkreislauf fließt, wird live gefilmt. Das entstehende Video bezieht die Umgebung mit ein und so scheinen die zum Rest der Ausstellung die Treppe heraufgehende Besucher*innen im Fenster der Installation hinabzulaufen. Auf 5 Etagen lassen sich 90 Werke von 30 Künstler*innen entdecken, die sich mit der Idee des Lernens und Verlernens auseinandersetzen und unsere bestehenden Lernsysteme hinterfragen. Die Performance „The Museum of Unlearning“ von María José Contreras Lorenzini lädt die Besucher*innen in einer Unterrichtsstunde des Verlernens dazu ein, Gelerntes abzulegen. So wird uns etwa, nachdem wir eine Karte an der Wand ausgewählt haben, gezeigt, wie wir verlernen können, in einem Stuhl zu sitzen: „Boycott Chairs!“ Trotzdem sind Stühle auf mehreren Etagen der Ausstellung zu finden, auf allen liegt ein Buch, dass von Autor*innen geschrieben wurde, die ein Pseudonym verwendet haben. Motivation dafür kann sein, „offen schreiben“ zu dürfen oder auch den Vater nicht zu enttäuschen. Die Gründe sind die unterschiedlichsten und so hinterfragt die Arbeit „Someone Else“ der Künstlerin Shilpa Gupta die Entstehung von kollektivem Wissen und die Identität derer, die es verbreiten.

Noch bis zum 14. November kann die Ausstellung „The House of Learning Systems“ bei freiem Eintritt im ehemaligen Radiohaus des ORF besucht werden und auch der Rest der Events der Vienna Art Week ist kostenlos. 2005 als Vernetzungsevent, das die junge Wiener Kunstszene stärken sollte entstanden, präsentiert die 21. Ausgabe des Kunstfestivals nun ein umfangreiches Programm, das vom Kunsthistorischen Museum über den Kunstverein DAS WEISSE HAUS bis zu den Bibliotheken und Kunstakademien der Stadt reicht. Insgesamt 70 Programmpartner*innen laden zu Workshops, Führungen und vielem mehr ein, alles angelehnt an das Festivalmotto „Learning Systems“. Um alle Wiener*innen und Tourist*innen am Programm teilhaben zu lassen, ist außerdem ein umfangreiches inklusives Programm entstanden, das besonders gut angenommen wird – so wie viele der regulären Workshops und Führungen ist es bereits vor der Eröffnung fast aufgebucht.

Ein besonderes Highlight der Art Week stellen neben den institutionellen Veranstaltungen außerdem die Open Studio Days dar, in deren Rahmen 50 Künstler*innen ihre Atelierräume für Besucher*innen öffnen, zu geführten Touren einladen und ihre künstlerischen Ideen durch Workshops erlebbar machen. So zeigt Ivana Lazic in Ihrem Atelier ihre Auseinandersetzung mit dem über Jahrzehnte von ihrer Familie gepflegten Garten, der die durch Kreuzungen entstandenen Pflanzen ihres Großvaters beherbergt und von der Familie als ebenbürtiges Lebewesen geschätzt wird, wobei sie die Pflanzenwelt auch als Symptom menschlicher Eingriffe durch Agrikultur, Kolonialismus und Zucht versteht. Sofia Goscinski präsentiert ihre Desert Plants, meterhohe schmale Stangen, die aus mit Beton geschaffenen, sich wiederholenden Abdrücken ihrer Hand bestehen und für sie so „direkt wie Zeichnung“ sind und Katharina Huemer lädt zum Bewundern ihrer farbenfrohen Malereien ein, die unauflösbare soziale Situationen abbilden, in denen die Protagonist*innen in „Social Awkwardness“ nebeneinander existieren oder vielleicht doch eng miteinander verbunden sind?
Das Programm der diesjährigen Vienna Art Week ist so umfangreich, dass eine Woche kaum ausreichen kann, um alles zu entdecken. Dennoch bietet es die Möglichkeit für Austausch, Entdeckung und neue Impulse und zeigt deutlich: Von der Kunst lässt sich immer etwas lernen.

Entdecken Sie jetzt noch das ganze Programm bis zum Festival Ende: www.viennaartweek.at

(Patricia Adams)

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