Monografie , 1979

Hans M. Schmidt

Identität ist eine Form von Beziehungen

Zu neuen Arbeiten von Raimer Jochims

Eine ausgeprägt konzeptionelle Malerei, wie sie sich in weiten Teilen der westlichen Welt besonders im letzten Jahrzehnt entwickelt hat, weist nach der Verschiedenheit von Ansatz und Methode ein breites Spektrum des Bildverständnisses und der Gestaltungsresultate auf. Gemeinsame Züge einer, unter Umständen als konkret zu bezeichnenden, konzeptionellen Kunst kommen allerdings in der dezidierten Blickrichtung auf die eingesetzten Bildmittel und den bildnerischen Prozeß, bis hin zur Thematisierung des Malvorgangs selbst, zur Geltung. Hierzu gehört eine am Einfachen und Faktischen orientierte Bildkonstitution. Charakteristisch für diese Werke (man denke etwa an Robert Ryman, Raimund Girke, Alan Green oder Gianfranco Zappetini) scheint die inhaltliche Indetermination, die offene Vieldeutigkeit. Vom Betrachter wird die Eigenleistung produktiven Sehens gefordert. Bestandteil dieser Bilder „ohne Ikonographie“ ist die darin wirksame Theorie; sie gibt der Seherfahrung die notwendige Richtung. Wenn die Rezeption dieser konzeptionellen Malerei von manchen ihre Wirkung und Anerkennung beeinträchtigenden Mißverständnissen begleitet wird, so liegt dies in der Regel an der Unfähigkeit, die hier zu kurz umrissenen maßgeblichen Kriterien zu akzeptieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das trifft vor allem dann zu, wenn ein schultypisches Patentrezept nicht anzuwenden ist.

Eine ungewöhnliche Position in der heutigen deutschen Malerei behaupten die neuen Arbeiten von Raimer Jochims. Sie folgen nicht dem rationalen Konzept, von dem L. Romain im Hinblick auf die 1974 in Münster ausgestellten Werke einer sogenannten „geplanten Malerei“ sprach. Also nicht: „zu Beginn der Plan, nach dem die Arbeit entstehen soll und während des Entstehens kontrolliert wird, im Resultat…

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von Hans M. Schmidt

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