Editorial , 1982

Zu diesem Heft

Ist die Zeitgeist-Ausstellung in Berlin die zweite, womöglich die eigentliche documenta dieses Jahres? Ein Vergleich ist nicht abwegig, denn manches von dem, was Rudi H. Fuchs für die Kasseler Ausstellung versprach, wurde in Berlin gehalten. Hatte Fuchs anfangs eine Ausstellung von nur rund 50 Künstlern avisiert, die er dafür ordentlich und in der nötigen Breite präsentieren wollte, so kam die documenta im Endeffekt doch auf die übliche Zahl teilnehmender (und in der Menge untergehender) Künstler. War eine ordentliche documenta-Architektur schon früh als zentrale Voraussetzung für eine würdevolle Präsentation erkannt worden, so endete doch manches in Puppenstuben kleinteiliger Arrangements und in der unvermeidlichen Kapitulation vor offiziellen Umbaumaßnahmen des Fridericianums. Wurden im ersten name-dropping für den Katalog der documenta nonchalant Zelebritäten wie Claude Lévi-Strauss oder Noam Chomsky ins Spiel gebracht, so war im letztlich hausgemachten Katalog eigentlich nur der Beitrag von Germano Celant lesenswert, und der las sich für Insider wiederum so, als habe Celant ihn ständig als Presse-Erklärung für seinen Rücktritt vorbereitet, sich dann aber so in den Text verliebt, daß er darüber den Rücktritt vergaß. Zuletzt wurde das zentrale Postulat der documenta, die Würde der Kunst wieder herzustellen, durch riskante Experimente mit der Hängung gefährdet, und stattdessen die Würde des Ausstellungsmachers lanciert.

Christos M. Joachimides und Norman Rosenthal hatten für den Zeitgeist rund 40 Künstler angemeldet, 45 sind es geworden. Sie haben für ihre Ausstellung ein Gebäude ausgesucht, das den ruinösen Reiz des Nachkriegs-Fridericianums mit der Feierlichkeit eines halbrestaurierten Prachtbaus verbindet (und zum Glück nicht in Kassel liegt, denn…

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