Kultursenator Lederer: „Kultur ist systemrelevant“

14. April 2020 · Kulturpolitik
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Dass Kultur nicht etwa nur ein schöngeistiger Zeitvertreib in besseren Zeiten ist, sondern auch in Krisensituationen geistige Orientierung bieten kann und daher existenziell wichtig ist, erklärte der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) in einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“: „Wenn wir uns derzeit umschauen, stellen wir fest, was wirklich systemrelevant ist: Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung und städtische Infrastruktur, da schließe ich die Kultur ausdrücklich mit ein.” In der Coronakrise geschieht manches als Notbehelf, und Lederer warnt davor, dass aktuelle Provisorien für längere Zeit zu einem Dauerzustand werden könnten und dass der aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Stillstand auch zu einem Verdrängungswettbewerb ausufern könnte: “… digitale Angebote können Kultur im besten Fall ergänzen, auf keinen Fall ersetzen. Man muss nicht Epidemiologie studiert haben, um zu erahnen, dass viele Menschen in großen Räumen erst als letztes wieder möglich sein werden. Wir haben jetzt die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass wir am Ende keinen Kahlschlag in der Kulturszene zu verzeichnen haben.“ Gerade in Städten wie Berlin oder in Köln in den 1980er/1990er Jahren wurde und wird das kulturelle Leben wesentlich durch die Off-Szene geprägt: „Mir scheint wichtig zu sein, dass das Produktive, das Neue, das Avantgardistische an Kunst in der Regel nicht im Mainstream des Kulturmarketings entstanden ist, sondern im vom Zwang zur Wertschöpfung befreiten Räumen“, sagt Klaus Lederer dazu. Für den Senator bildet dies den Humus einer freien Gesellschaft: „…die Kunstfreiheit (ist) im Grundgesetz verankert, und das hat gute Gründe, weil die Mütter und Väter des Grundgesetzes davon ausgegangen sind, dass sich Kunst kritisch mit der Gegenwart auseinandersetzt und sich in Möglichkeitsräumen jenseits der Realität bewegt. Das ist ganz zentral für das Leben in einer offenen Gesellschaft. Unter diktatorischen Verhältnissen soll Kunst in der Regel nur der Propaganda der Herrschenden dienen. Ich fände es bedauernswert, wenn wir in zwei oder drei Jahren feststellen, dass wir zwar den Coronavirus besiegt haben, aber der Coronavirus die Vielfalt unserer Gesellschaft zerstört hat, dass am Ende nur noch große Kino- oder Musicalketten überlebt haben“.

Dazu in Band 258 erschienen:

Dazu in Band 235 erschienen:

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