Heinz Schütz
Andreas Schön

Galerie Rüdiger Schöttle, München, 15.9. – 14.10.1990

Die Entdeckung der Landschaft als Landschaft setzt – historisch betrachtet – die ästhetische Befreiung des Blickes voraus. Es bedarf des Schrittes von der Naturaneignung zur Betrachtung, vom instrumentellen Blick, dem Natur Bedrohung und Lebensgrundlage ist, zum Schauen, nicht zuletzt der Abkehr vom Vertrauten. Die solcherart gewonnene Distanzierung erlaubt die Freisetzung des Blickes für die Wahrnehmung der umgebenden Natur als Landschaft. Sie vollzieht sich nicht zuletzt auf Reisen – wobei „Reisen“ heute allerdings primär „Fortbewegung“ heißt. Mit einer Reisebeschreibung, nämlich Johann Gottfried Seumes „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“, leitet Andreas Schön einen 1989 erschienenen Katalog mit Landschaftsbildern ein. Er wählt eine Passage, in der Seume unter anderem von der Topographie zu „archäologischen“ Reflexionen angeregt wird. Durchaus analog hierzu handelt Schöns Landschaftsmalerei von Bewegung und Archäologie.

Bewegung ist Schöns Bildern eingeschrieben. Der Blickwinkel, unter dem sich die Landschaft etwa in der Doverserie zeigt, entspricht dem aus dem Fenster eines fahrenden Zuges. Die jüngeren ausgestellten Bilder erscheinen aus der Perspektive eines Fliegers. Dabei läßt sich die im Bild ablesbare Bewegung keineswegs nur auf den Betrachterstandpunkt beziehen, sondern die Landschaft selbst scheint partiell in Bewegung zu sein. Dieser Eindruck entsteht durch sich überschneidende Fluchtlininen, die mit Landschaftsformationen koinzidieren, aber insbesondere auch durch „unscharfe“ Bildstellen. Sie stehen neben maltechnisch „beruhigten“ Zonen, so daß ein Bildteppich aus Statik und Bewegung entsteht.

Der akribische Realismus der Bilder weist auf Motive, die im Moment des Vorüberfahrens und -gleitens mit Hilfe der Fotografie fixiert werden. Ineins mit der perfekten Maltechnik erwächst…


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