Titel: Dialog mit dem Anderen , 1991

Franz-Joachim Verspohl

Innerer Dialog

Die Methode von Pollock und Wols, den Betrachter mit sich selbst zu Konfrontieren

»Number 32. 1950« (1950)

Pollocks „Number 32. 1950“ (2,69 m hoch und 4,57 m breit) gehört zu den radikalsten Bildschöpfungen im Werk des Künstlers. Es ist Teil der Serie der „black paintings“, die zwischen 1950 und 1953 entstanden und in denen er mit dem scheinbar minimalsten Einsatz arbeitet. Die Leinwand ist ungrundiert. Die einzige verwendete Farbe ist die schwarze Lackfarbe die ohne direkte Berührung der Malutensilien mit der Leinwand aufgebracht wurde. Durch Fotografien Hans Namuths ist bekannt, daß Pollock die Leinwand nicht auf einen Keilrahmen aufzog, sondern auf dem Boden ausgebreitet bearbeitete. Er träufelte, spritzte, tropfte und schüttete die Farbe auf der Leinwandbegrenzung aus auf die Fläche, wobei er seltener -allenfalls in den Randzonen – auf die Leinwand trat. Dafür war es ihm um so wichtiger, beim Malen um die Leinwand herumgehen zu können. Das Oben und Unten, die linke und die rechte Seite des Formats mögen ihm zwar vor Augen gestanden haben, doch die Festlegung spielt beim Malvorgang keine Rolle. Obwohl Hans Namuths Fotos belegen, daß Pollock in Intervallen arbeitete, daß sich verhaltene und dynamisch-bewegte Malphasen ablösen, läßt sich an der aufgespannten, hängenden Leinwand nicht mehr nachvollziehen, welche Farbspuren zu einem bestimmten Malduktus gehören.

Im Gegensatz dazu scheint dies bei mehrfarbigen Bildern möglich, zumindest kann bei diesen über die Abfolge des Farbauftrags und damit über die ersten Setzungen von Bildelementen Aufschlußerzielt werden. Doch auch hier, erst recht aber bei den „black paintings“, stellt sich die Frage, ob…

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