Ausstellungen: Wolfsburg , 1991

Michael Köhler

Alexander Rodtschenko

Im Zeichen von Glasnost öffnen sich uns jetzt auch die Archive führender Vertreter der Foto-Moderne Rußlands. Ein erstes Beispiel dafür ist die Werkauswahl Alexander Rodtschenkos, die im vergangenen Jahr – mit Hilfe der Lufthansa und des Vereins Kulturförderung Südniedersachsen – zu einer ausgedehnten Deutschlandtournee startete.

Rodtschenko ist im Westen kein Unbekannter. Jede „Geschichte der Fotografie im 20. Jahrhundert“ räumt ihm einen prominenten Platz ein. Und seit 1982 liegt für deutsche Leser eine ausführliche Rodtschenko-Monographie des Verlags Schirmer/Mosel vor.

Was man sich da wünschen würde, wäre deshalb eine Werkschau, die Rodtschenkos Gemälde mit seinen Fotoarbeiten paart. Denn vom Maler Rodtschenko gibt es in westlichen Sammlungen so gut wie keine Werkbeispiele, obwohl sein malerisches Ouvre (nach den historischen Quellen zu urteilen) nicht minder als bahnbrechend empfunden wurde wie das fotografische, das jetzt gezeigt wird.

Nach dem Kunststudium in Kazan und seiner Heimatstadt St. Petersburg ging Rodtschenko 1914 nach Moskau, um die Künstlergruppe kennenzulernen, die seit kurzem für besondere Aufmerksamkeit sorgte, die Konstruktivisten. Ziel von deren Arbeit war eine Malerei, die mit der Vergangenheit ebenso radikal brach, wie es die Bolschewiki mit den Traditionen in Politik und Gesellschaft vorhatten.

Rodtschenko war schnell Teil der konstruktivistischen Bewegung. Und unter den Versuchen, die Malerei vom Ballast der Naturwiedergabe zu befreien und eine abstrakte, autonome Bildsprache für sie zu entwickeln, ragte sein Beispiel als besonders mutig und extrem heraus. Denn nach streng geometrischen Kompositionen mit farbigen Rechtecken und Kreisen (1916) fand er bis 1921 zum absoluten Nullpunkt der Malerei – der Monochromie.

Danach glaubte er, die Malerei an ihr…

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