Gespräche mit Künstlern · von Rudolf Stoert · S. 272
Gespräche mit Künstlern , 1991

Hermann Nitsch

Über sein O.M. Theater

Ein Gespräch von Rudolf Stoert

»Nur bei einem Verkehrsunfall, da ist alles anders.«
»die katastrophe des dramas bringt unsere eigentliche sinnliche intensität zum endpunkt.«

Hermann Nitsch

Josef Dvorák, selbsternannter Mentor der „Wiener Aktionisten“ (Schwarzkogler, Muehl, Brus, Nitsch), legt 1989 den Begin des Nitschens Lebenswerk bei „Kirchenmalerei und aus dem Umfeld der Anthroposophie“ kommend fest. Im Rahmen des, während der 60er Jahre entstandenen, „O.M. Theaters“, stellt Hermann Nitsch um 1960 erstmals Werke seiner „Aktionsmalerei“ aus und beginnt mit den ersten Aktionen. 1963, 1965 und 1967 wird Nitsch aufgrund seines Kunstschaffens verhaftet und verurteilt. Es folgt ein weiterer Prozeß, dessen Urteil einem „Berufsverbot“ (Nitsch) gleichkommt, woraufhin der Delinquent Österreich verläßt. Er geht zunächst nach Deutschland, inszeniert seine „Aktionen“ aber nicht nur dort, sondern weltweit, insbesondere mehrfach in den USA. 1971 wird Schloß Prinzendorf angekauft, für das „O.M. Theater“ ein glücklicher Umstand, ist es doch nun möglich, die zeitlich immer länger andauernden „Aktionen/Spiele“ in aller Ruhe durchzuführen. Weitere Aktionen und Ausstellungen (darunter zweimal bei der documenta) schließen sich an. 1975 und 1984 werden die „Ein Tag und eine Nacht“, sowie „Drei Tage und Drei Nächte“ aufgeführt. Nitsch arbeitet seitdem konsequent weiter an der Verwirklichung seiner Vision des Übergangs „von Kunst in Leben und Leben in Kunst“. 1987 wird in München, 1988 in Wien, eine große Retrospektive organisiert. Etwa zeitgleich erhält Nitsch die Berufung ans Frankfurter Städel. Als dies publik wird, beginnen verschiedene Presseorgane die Anstellung des Künstlers zu hintertreiben. Die „Frankfurter Rundschau“ eröffnet die Kampagne, andere Medien schließen sich an. Es wird…

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