Titel: Das Museum als kulturelle Zeitmaschine · S. 211
Titel: Das Museum als kulturelle Zeitmaschine , 1991

2. Gespräch:

Kunstvermittlung und -vermarktung: Das Verhältnis zwischen Kunst, Publikum, Medien und Käufer

EDUARD BEAUCAMP:
Kunstkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
HELMUT DRAXLER (Moderation):
Kunsthistoriker, Kunstkritiker, Wien
JOHANNES GACHNANG:
Museumsdirektor, Castello die Rivoli, Torino, undVerlagsleiter, Bern
ISABELLA GRAW:
Kunstkritikerin, Herausgeberin der Kunstzeitschrift“Texte zur Kunst“, Köln
KASPER KÖNIG:
Ausstellungsmacher und Rektor der Städelschule,Frankfurt/Main
ALOIS MARTIN MÜLLER:
Publizist und Kustor am Museum für Gestaltung, Zürich

Draxler: Ich muß sagen, daß für mich diese Formulierung von Kunstvermittlung, Vermarktung, Kunstpublikum, Käufern, Medien usw. etwas zu vage und verschwommen ist, daß ich mir nichts sehr Genaues darunter vorstellen kann. Daher möchte ich das Wort gleich an Herrn Eduard Beaucamp, das „kritische Gewissen der FAZ“, übergeben, um den Einstieg zu machen.

Beaucamp: Ich bin immer noch so altmodisch, mich gegen pure Kunstvermittlung und Vermittlerdienste zu sträuben, eher Meinungsdienste anzubieten. Ich wehre mich auch gegen den alten glatten Kreislauf Kunst-Händler – Museen – Käufer – Medien. Ein bekannter westdeutscher Künstler war einmal so offen, zuzugeben, daß die Zeitungs- und Zeitschriftenkritik seinem Ruhm und seiner Vermarktung wenig nützten. Ein paar Sekunden im Fernsehen seien da erheblich effektiver. Das Fernsehen ist affirmativ, es bildet ab und verstärkt. Es gibt ganz wenige Beispiele, wo es Kunst wirklich analysiert, wo es kritisiert statt beschreibt. Ich melde Vorbehalte, ja einen Protest an gegen die Vereinnahmung und weiß doch, daß das verlorene Liebesmüh ist. Es gehört zu den verbreitetsten Untugenden des Kritikers, auf den Zeitgeist und den Kulturbetrieb im allgemeinen zu schimpfen. Es gehört zu seinen liebsten Illusionen, daß er glaubt, sich heraushalten und Kunstkritik auch als Betriebskritik…

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