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Titel: Das Neue Porträt · von Heinz Ohff · S. 94 - 123
Titel: Das Neue Porträt , 1973

HEINZ OHFF
Das Neue Porträt

oder: Was ist neu daran?

Mit der Verwendung des Wortes ‘neu’ in unseren Kunstgesprächen und Theorien ist es so eine Sache: Neuer Realismus, Neue Landschaft, Neue Sensibilität – um Schlagworte sind wir nie verlegen. Sie dienen, hat man das Gefühl, längst nicht mehr unbedingt der Definition oder der internen Abgrenzung, sondern sie werden verwendet wie Reklameslogans. Kunsttheorie und Marktanpreisung haben sich auch sprachlich bedenklich einander angenähert. Das Wort ‘neu’, um darauf zurückzukommen, spielt schon beinahe eine ähnliche Rolle wie das Wort ‘weiß’ bei den Waschmittelwerbeleuten. Dem weißesten Weiß eines Lebens steht die neueste Sensibilität seit Menschengedenken gegenüber.

Wo – seit den Tagen eines ‘Neo-Impressionismus’ – uns etwas als ‘neu’ angepriesen wird, sollten wir daher zuerst einmal fragen, was eigentlich so neu daran ist. Schon beim ‘Neo-Impressionismus’ handelte es sich um ein ausgesprochenes Mißverständnis. Gaugin und Seurat wollten alles andere als einen Neuen Impressionismus; sie waren weit eher darauf aus, dem alten Impressionismus den Garaus zu machen.

‘Das neue Porträt’ hieß kürzlich eine Ausstellung, mit der Wolfgang Makowski seine neue Berliner Galerie Abis eröffnete. Neu, das zweifellos, waren die Galerieräume. Neu war auch der Gedanke, Porträts zu zeigen, die in unserer unmittelbaren Kunstlandschaft entstanden sind, in den letzten Jahren. Aber gibt es tatsächlich so etwas wie ein ‘neues Porträt’?

Dann müßte es auch ein ‘altes Porträt’ geben, was ja nun, wie wir alle wissen, tatsächlich der Fall ist. Schon in hellenistischer Zeit soll es eine Porträtmalerei gegeben haben, von der freilich nichts erhalten blieb. ‘Sieht man von den Mumienbildnissen der ersten…


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