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Ausstellungen: Prospect · S. 135 - 143
Ausstellungen: Prospect , 1973

DIE AUSSTELLUNG

KLAUS HONNEF

PROSPECT 73

MALER
PAINTERS
PEINTRES

Kunsthalle Düsseldorf 28. September – 7 Oktober 1973

Prospect sieht es als seine Mission an, (wir kennen die kommerziellen Motivationen dieser Mission), das zu präsentieren, was die Mode der kommenden Saison sein soll‘, höhnte der ‚Maler‘ (er begreift sich wirklich, und zu Recht, als solcher) Daniel Buren in einem Heftchen, das den bezeichnenden Namen ‚Es malt‘ trägt. Verteilt wurde dieses Heftchen anlässlich der Ausstellung ‚Prospect‘ in der Kunsthalle Düsseldorf, zu deren Kommentierung es im übrigen eigens angefertigt worden war, von Erika Fischer, der Schwester des einflußreichen Düsseldorfer Kunsthändlers Konrad Fischer, der wiederum als einer der Veranstalter für ‚Prospect‘ verantwortlich zeichnete. Heimtückischer Schuß aus dem Hinterhalt, von einem bösartigen Familienmitglied ausgebrütet? Oder die Kritik eines Mannes, der aus Verärgerung darüber, daß seine Ausstellungskonzeption bei den drei Mit-Veranstaltern, Kunsthallen-Chef Jürgen Harten, Händlerkollege Hans Strelow und der Kölner Kustodin Evelyn Weiß, nicht durchschlug, über einen ’seiner‘ Künstler verständlichen Unmut bekundete? Wohl kaum. Die eine Vermutung ist ebenso ins Reich der Fabel zu verweisen wie die andere. Zumal Daniel Buren, als scharfsinniger Polemiker ohnehin weit bekannt, sich schwerlich vor einen Wagen spannen lässt, der ihm nicht gehört. Doch was verbirgt sich sonst dahinter?

Die Erklärung ist furchtbar einfach. Der Versuch, die Diskussion um ‚Prospect‘, die ‚Vorschau‘, die in diesem Jahr ausschliesslich der Malerei gewidmet war und unter dem Titel ‚Maler – Painters – Peintres‘ firmierte, auf einer sachlichen Basis zu halten. Denn daß es Krach geben würde, war allen Beteiligten in dem Moment klar, als sie sich für das hoch-brisante Thema ‚Malerei‘ entschieden hatten. Der Krach war – um Georg Jappe zu zitieren – sozusagen vorprogrammiert.

Und Krach: besser: versteckt und offen geäusserter Ärger, bestimmte schon die Atmosphäre der Eröffnung. In der überfüllten Düsseldorfer Kunsthalle – man fühlte sich unversehens an die ‚heroischen‘ Zeiten erinnert als der damalige Direktor Karl Ruhrberg mit linken Studenten und Künstlern so temperamentvoll wie in der Sache unmißverständlich diskutierte – setzte es herbe Kritik. Doch diese Kritik entzündete sich in der Regel an Belanglosigkeiten. Das enttäuschte, wenngleich es angesichts der angesprochenen Materie voraussehbar war. Die Künstler beklagten sich über die angeblich schlechte Inszenierung der bestens inszenierten Ausstellung und insonderheit darüber, daß ausgerechnet (!) ihre Bilder – im Vergleich zu den – natürlich – weniger interessanten (um es milde auszudrücken) Bildern der anderen Künstler völlig unzureichend präsentiert seien. Und die Kunsthändler, soweit sie von den Organisatoren aufgefordert worden waren, Künstler ihrer Galerie zu zeigen, argwöhnten zum Teil gar, daß sich die beiden kommerziell engagierten Veranstalter Fischer und Strelow, weil sie am längeren Hebel säßen, die vermeintlich vorteilhaftesten Räume und Plätze für die von ihnen vertretenen Künstler gesichert hätten. Vergnüglich schauten lediglich Gerhard Richter und Winfred Gaul drein. Richter, weil er zufrieden war mit Ausstellung und Organisation, erst später revidierte er sein Urteil, und Gaul, weil er keine Einladung zu ‚Prospect‘ erhalten hatte und infolgedessen von den prognoszierbaren Folgen unbelästigt blieb.

Die unmittelbaren Folgen bestanden zunächst in einer fast einhellig negativen Resonanz der publizistischen Medien. Genereller Tenor: Die kommerziellen Interessen des Handels seien unverhüllt wie selten zum Durchschein gekommen, und die erstrangigen europäischen Maler zugunsten zweit- und drittrangiger amerikanischer vernachlässigt worden. Warum ist, hieß es durchweg, der Künstler X zu sehen, unterdes der Künstler Y, der das Muster bereits hundert Jahre zuvor gemalt hat, nicht berücksichtigt wurde? Willi Bongard in ‚art aktuell‘ – wenn es ausnahmsweise einmal gestattet ist, vertrauliche Informationen weiter zu verbreiten – war einer der wenigen Kunstbeobachter, die sich vorsichtiger ausliessen und darum bemühten, einige Kernprobleme, die ‚Prospect‘ zweifelsfrei (und dankenswerterweise) aufgeworfen hat, aus einer hintergründigeren Perspektive zu beleuchten. Vor allen Dingen aber warnte er nachdrücklich vor einem neuerlich von etlichen deutschen Kunsthändlern favorisierten antiamerikanischen Kunstkrieg getreu dem Motto, die amerikanischen Maler haben ‚unseren‘ (wieso plötzlich unseren? ) eh das meiste abgeschaut (die Überlegenheit europäischer Kultur wird in den letzten Monaten immer häufiger bemüht) und waren ausserdem viel früher dran. An ‚Beweisen‘ fehlt es inzwischen nicht mehr. Eines dieser Beispiele könnte (ich sage bewußt: könnte) etwa folgendermassen funktionieren: Der Ryman (gemeint ist der amerikanische Maler Robert Ryman, dessen Bilder seit über zehn Jahren zirkulieren) malt heute wie der Girke (gemeint ist der deutsche Maler Raimund .Girke, der sich bislang ebensowenig ‚einordnen‘ ließ wie der zitierte Ryman) vor zehn Jahren. Eine derart oberflächliche Einschätzung müßte sich allerdings auch zu der Frage bequemen, ob nicht der Girke heute malt wie der Marden (gemeint ist Brice Marden) vor zwei oder drei Jahren. Imgrunde sind derlei stupide Scharmützel, nebensächlich und gedankenlos zugleich, nur von Leuten lanciert, die endlich gemerkt haben, daß der Traum vom Kunstboom in der Bundesrepublik Deutschland ausgeträumt ist, ohne sich indes zu vergegenwärtigen, daß sie zu der Ernüchterung ein gerüttelt Maß beigetragen haben.

Aber bedeutet dies nun, ‚Prospect‘ in der demonstrierten Art und Weise zu akzeptieren, die Ausstellung einfach für überzeugend zu halten?

Keineswegs. Trotzdem gilt es, das Unternehmen in Schutz zu nehmen gegen Kritiken, die es gar nicht treffen. Nicht aus lauter Menschenfreundlichkeit, sondern allein deshalb, weil falsche Argumente das, was wirklich falsch war mit und an ‚Prospect‘, bloß zu verkleistern drohen.

Erster Punkt: Daß ‚Prospect‘ – wie hämisch festgestellt wurde – einen kommerziellen Hintergrund besitzt, ist von den Initiatoren niemals geleugnet worden. Ohne jegliche Geheimniskrämerei lautete der Untertitel der ersten Veranstaltung dieses Genres: ‚Internationale Vorschau auf die Kunst in den Galerien (Hervorhebung vom Verf.) der Avantgarde‘. Und die Verantwortlichen waren, bis auf einen inzwischen realisierten Positionswechsel, diesselben wie jetzt auch: Konrad Fischer, Jürgen Harten, Hans Strelow und Karl Ruhrberg, für den Evelyn Weiß gewonnen wurde. Stets war ‚Prospect‘ also nur partiell eine Veranstaltung der Kunsthalle Düsseldorf, zu nicht unwesentlichen Teilen war die Ausstellung ein Gemeinschaftsunternehmen der sogenannten Avantgarde-Galerien, die überdies einen nicht unerheblichen Anteil der Organisationskosten beglichen. Niemand vermag Daniel Buren im Ernst zu widersprechen, wenn er sich dagegen verwehrt, daß ‚Prospect‘ als eine kommerziell orientierte Veranstaltung denunziert wird. ‚Man sollte… nicht scheinheilig jene Einrichtung beschimpfen, die sich ganz offen einen Kunstmarkt nennt. Im eigenen Haus hat man auch nur die jüngsten Epigonen zu bieten, und niemand fällt auch nur ein, daß es sich bei den Wohltätern hier und den Kaufleuten dort um die gleichen Händler handelt‘. Buren wirft eine weitere Frage auf. Welche Kunst-Ausstellung überhaupt wird denn ohne die mitunter sogar massive Unterstützung des Kunsthandels noch durchgeführt?

Damit berührt er den zweiten Punkt: Der Unterschied zwischen ‚Prospect‘ und einer x-beliebigen Retrospective des Künstlers Z besteht doch in kommerzieller Hinsicht darin, daß die Einflußnahme des Kunsthandels auf Inhalt und Gestalt der Ausstellung, sei es durch materielle, sei es durch organisatorische Hilfe, nicht nämlich offen zutage tritt. Schon die Auswahl eines künstlerischen Programms wird danach getroffen, was der Kunsthandel in seinen Galerien an Information über (zeitgenössische) Kunst angeboten hat. Selten gelangt ein Künstler ohne Assistenz (oder Hilfestellung) des Handels in eine Museums- oder Kunstvereins-Ausstellung. Abgesehen wohl von den nicht durchweg beliebten Weihnachts-Schauen jeweils örtlicher Künstler-Provenienz (beliebt zumal nicht bei den Institutsleitern, die sie ausrichten dürfen), werden nahezu alle Kunst-Ausstellungen, man mag dies beklagen oder auch nicht, mit Sekundanz des Kunsthandels zustande gebracht und zeichnen sich nolens volens durch einen kommerziellen Aspekt aus. Dies in einer Beurteilung von ‚Prospect‘ zu unterschlagen, heißt, mit purer Doppelzüngigkeit operieren und sich selber den Boden der Glaubwürdigkeit unter den Füssen wegzuziehen.

‚Prospect‘, sagt Daniel Buren und darin muß man ihm zustimmen, ‚war genau das, was sein Name besagt: der Ort, an dem das Ergebnis der ‚Vorausschau‘, der ‚guten‘ Galerien gezeigt werden sollte, um den Markt für die nächste Zeit zu sichern. Man kann sich deshalb nur wundern, daß bestimmte Künstler und Galerien mit so viel Einsatz gegen Einrichtungen wie den Kölner Kunstmarkt kämpften, wo man doch selber gleichzeitig im weniger als 50 Kilometer entfernten Düsseldorf und auch an anderen Orten die Zukunft des Marktes organisierte. Zieht man gegen den Umstand zu Felde, daß sich eine Kunstausstellung ‚Markt‘ nennt? Man verbreitet ja die Meinung, daß der Handel mit der Kunst anderswo in die Wege geleitet und abgewickelt wird und daß die Spekulationen anderswo ihren Ausgang nehmen. Aber dieses ‚Anderswo‘ ist genau der Ort, an dem man nicht davon spricht, daß die Kunst ein Erzeugnis ist, das verkauft werden will, wo man heuchlerisch vorgibt, ein rein platonisches Verhältnis zur Kunst zu haben und nur erfahren zu wollen, wie sie sich morgen entwickele‘.

Das ist das Dilemma. Kunst ist (auch) eine Ware, die verkauft werden muß, um ihren Urhebern (zunächst) den Lebensunterhalt zu sichern. Nicht nur ‚Prospect‘, sondern eine jede Kunst-Ausstellung, die keinen ausgesprochen historischen (am besten noch musealen) Anstrich hat, kann dieses Dilemma vermeiden. Burens ‚Anderswo‘ ist überall dort, wo gegenwärtig zeitgenössische Kunst vorgestellt wird, hüben vielleicht stärker als drüben, prinzipiell aber allenthalben. Dies wird sich nicht ändern, solange Künstler von der Ware Kunst ihren Lebensunterhalt fristen, und den Verkauf – aus einsichtigen Gründen – von Agenten, wobei es gleichgültig ist, ob privat oder kollektiv organisierten, regeln lassen. Der Handel und mithin die Spekulation um Kunst beginnt da, wo sie ausgestellt wird; hektischer, rücksichtsloser in Köln oder Düsseldorf, in New York oder Paris als in Münster oder Kiel, in Göttingen oder Heilbronn. Zu ändern ist dies nur durch einen grundsätzlichen Wandel des gesellschaftlichen Zusammenhangs, in den Kunst einbegriffen ist; allerdings erhebt sich die Frage, (die ein jeder selbst zu beantworten hat,) ob der Wandel rundherum begrüssenwert ist.

Dennoch: eines ist nach wie vor merkwürdig. Während Kunsthalle samt Kunstverein in Köln bislang niemals ein mißlungener Kunstmarkt vorgehalten wurde, obwohl auch diese beiden Institute durch Beherbergung kommerzieller Galerien in ihren Räumen dem Kunsthandel ebenfalls eine (und nicht minder) deutliche Aufwertung verschaffen (zumindest in dem Maße wie Kunst erst durch das Museum als Institution im öffentlichen Bewußtsein sanktioniert wird), darf die Kunsthalle in Düsseldorf angesichts ihrer Aktivitäten auf derlei Zurückhaltung offenbar nicht zählen. Der Grund dafür ist vergleichsweise leicht aufzuspüren.

Dank glänzender und umsichtiger Regie, die keinen direkten Konflikt zwischen kommerziellen und öffentlichen Interessen (was ja auch nicht zwangsläufig ist) je erkennen ließ, hat gerade ‚Prospect‘ ein solch hohes Prestige erlangt, daß man die spezielle Organisationsform der Veranstaltung, ihre Verantwortungsstruktur, Schwäche und Stärke gleichermassen, zu vergessen geneigt ist. Kurzerhand wird ‚Prospect‘ nach dem eigentümlichen Motto, demzufolge eine derartige gelungene Angelegenheit nur einem öffentlich kontrollierten Institut entstammen kann, dem Konto der Düsseldorfer Kunsthalle gutgeschrieben. Uneingedenk der Tatsache, daß ein Kunsthändler und ein früherer Kunstkritiker, der mittlerweile ins Händlerfach umgestiegen ist, einen ebenso wichtigen Anteil daran hatten. Die gleiche seltsame Logik, mit der dies geschieht, verlangt aber auch, daß ein eventuell zu verzeichnender Negativ-Saldo in erster Linie dem öffentlichen Institut präsentiert und nicht auf sämtliche Verantwortlichen übertragen wird.

Vor zwei Jahren erntete ‚Prospect‘ mit einer umfangreichen Übersicht über das Bemühen der Künstler, sich die technisch produziert und reproduzierten Bildmedien wie Fernsehen, Film und Fotografie zunutze zu machen, noch uneingeschränkten Beifall. Daß der jüngsten Veranstaltung dies nicht widerfuhr – lag es an der weniger sorgfältigen Ausstellungs-Strategie? Jedenfalls wird es kaum daran gelegen haben, daß einer der Organisatoren derweil ausgeschieden und ein anderer den Beruf gewechselt hat. Die Ursache für die niederschmetternde Resonanz steckt in einem simplen Mißverständnis. Dieses Mißverständnis wurde von den Organisatoren in die Welt gesetzt und von. ihren Kritikern vorbehaltlos geschluckt. Denn sieht man genauer hin, so ergibt sich zunächst die verschwindend geringe prinzipielle Differenz in der inhaltlichen Ausrichtung der beiden Veranstaltungen. Dargetan wurde das jeweils ‚Aktuelle‘ im Kunstgeschehen, wobei sich die Entscheidung darüber, was aktuell war, die Verantwortlichen (verständlicherweise) vorbehielten. ‚Prospect – Projection‘ widmete sich einem (für die Künstler und deren Adepten) relativ neuem Medium, dem Film, Fernsehen und Videotape, ‚Prospect 73‘ hingegen dem uralten künstlerischen Ausdrucksmittel der Malerei. Daß ‚Prospect – Projection‘ einen erheblichen besseren Eindruck erweckte, resultiert daraus, daß die Faszination, die die technischen Medien ausstrahlen, die insgesamt wahrhaft klägliche Substanz und den im Gebrauch der technischen Zuhandlichkeiten manchmal beschämenden Dilletantismus der Beiträge vertuschte. Ein Kritiker, der seine im Kino, im kommerziellen Kino gewonnenen Erfahrungen zum ästhetischen Maßstab für ihre Einschätzung erhoben hätte, wäre im Schnitt zu einem ziemlich fatalen Resümee gekommen. Glücklicherweise betrachten Kunstkritiker aber das Kino immer noch als eine reine Jahrmarktsangelegenheit und können sich vor der Kunst so die huldvolle Naivität bewahren. Umgekehrt beim Thema Malerei. Hier fühlt sich der Kunstkritiker in seinem Element und vermag den munteren Begründungen, die Hans Strelow im Dia-Katalog der Ausstellung (‚Was, Sie haben keinen Diaprojektor zuhause?‘) feilbot, ihren Anspruch als ernsthafte, ernstzunehmende Auswahlkriterien zu bestreiten, auch wenn sie fast identisch sind mit denen, die ‚Prospect -Projection‘ motivieren.

‚Die Kunst ist ein leichtes Spielfeld für Theorien. Doch hat die Kunst ein seltsames Eigenleben, dessen Praxis die Theorien oft als Halbwahrheiten dekuvriert. Die Malerei wäre tausend Tode gestorben, hätten ihre Leichenredner der verschiedenen Couleur recht gehabt.

Dennoch versteht sich ‚Prospect 73‘ nicht als Manifest für das ewige Leben der Malerei. ‚Prospect 73′ trägt lediglich dem Faktum Rechnung, daß Künstler auch heute malen. Das einzig Gemeinsame der Maler, die in der Ausstellung gezeigt werden, ist ihre Entschlossenheit, sich primär visuell auszudrücken – auf der Fläche, mit Farbe‘.

Man vermeint förmlich den Stoßseufzer der Erleichterung zu hören: Helas! Nun malen sie wieder. Und das nach den dürren Jahren, die insonderheit die spröde (und in der Regel unverkäufliche) Conceptual Art den Kunsthändlern beschert hatte. Als hätten die Künstler in den vergangenen Jahren das Malen ganz vergessen. Das Mißverständnis, dem Veranstalter wie Kritiker aufsassen, liegt in einer Optik auf Kunst begründet, die sich lediglich an den Gesichtspunkten der Aktualität orientiert, ohne diese zu hinterfragen, und darauf verzichtet, Sinn und Zweck der Kunst zu beleuchten. Deshalb stellt sich die Frage, ob ‚Prospect 73‘ eine schlechtere Ausstellung war als etwa ‚Prospect – Projection‘ nicht, vielmehr müsste sie lauten: Ist die Konzeption von ‚Prospect‘, und damit von allen ausschliesslich Aktualitäts-bezogenen Kunst-Ausstellungen noch eine sinnvolle und aus der Perspektive der Kunst vertretbare Konzeption?

‚Was nun bietet uns ‚Prospect 73‘ an neuen Modellen? Wie zieht man sich im nächsten Winter an, wenn man sich nicht blamieren will? ‚ frozzelt Buren und antwortet:

‚Man kleidet sich als Maler.
– Als was?
– Als Maler…
– Aber es gibt solche und solche!
– Sicher, und sie werden alle gefragt sein.
– Die Abstrakten? Die Figurativen? Die Miniaturisten? Die Konzeptualisten? Die Porträtisten? Die Realisten? Die…
– Alle, sage ich Ihnen, ausser den Anstreichern‘.

Was als thematischer Aspekt ausgegeben wurde von den ‚Prospect‘-Organisatoren, ist ein medialer, der Austausch von Film, Fernsehen und Video durch Malerei vertauscht allenfalls die Etiketten. Daß gemalt wird, ist eine Binsenwahrheit, die keine Ausstellung rechtfertigt. Eine Ausstellung von Malerei wäre zu rechtfertigen, wenn sich das Ausstellungskonzept auf die Klärung der Frage, weshalb Malerei offensichtlich, nachdem sie längere Zeit im Schatten verhalten wurde, abermals Interesse findet und ob dieses Phänomen auf jegliche Malerei zutrifft oder lediglich auf eine spezielle Form der Malerei und warum das so ist, besinnen würde. Eine solche Ausstellung ist denkbar; ‚Prospect 73‘ mag sie angestrebt haben, erreicht hat das Ziel die Schau indes nicht.