Ausstellungen: Düsseldorf , 1995

Jürgen Raap

Dem Deutschen Deserteur

»Felix Droese – Jochen Gerz – Joshua Neustein«

Galerie Hubertus Wunschik, Düsseldorf, 13.5 – 30.6.1995

Als kürzlich Antje Vollmer, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, im Plenarbereich internationale Kriegsdienstverweigerer empfing, darunter auch einen bosnischen Deserteur, zog sie sich den Zorn ihrer Kollegen aus den Regierungsparteien zu. Der Schriftsteller Gerhard Zwerenz steht mit seiner Meinung ziemlich allein da, laut Bundesverfassungsgericht ist die Nazi-Diktatur ein Unrechtsregime gewesen, logischerweise seien dann auch die Operationen der Wehrmacht als unrechtmäßig zu werten, Fahnenflucht mithin ein rechtmäßiger Akt des Widerstands. An 15.000 Fahnenflüchtigen hatten die Nazis seinerzeit Todesurteile vollstreckt, und Deserteure, die es schafften, der Hinrichtung zu entgehen, gelten heute noch als vorbestrafte Kriminelle. Eher folgt die herrschende Meinung dem Diktum jenes „furchtbaren Juristen“ (Hochhuth) Hans Filbinger, was damals rechtens war, könne heute nicht Unrecht sein. Der Bundestag weigert sich jedenfalls bis heute, Deserteuren die Kriegsjahre auf ihre Rente anzurechnen.

Innerhalb der Ausstellungsreihe „45 ff./Kriegsende: Kontinuität und Neubeginn“ der Düsseldorfer Kunstinstitute und Galerien reflektieren die von Hubertus Wunschik eingeladenen Künstler Geschehnisse, die heute noch ein Tabu darstellen. Felix Droese versucht, historische Kontinuität an übergeordneten Zusammenhängen festzumachen, von der Einführung des Volksheeres in den Jahren der Französischen Revolution über Kaiser Wilhelms „persönliches Regiment“ und der Militarisierung in jener Ära bis hin zur Tatsache, daß die DDR „Republikflucht“ als eine Art ziviler Desertion ahndete. An eine Holzpalette sind an den Seiten Pappkartons angeschnürt, aus denen silberne Stahlseile ragen, und die gelb-schwarze Inschrift auf den Palettensprossen lautet: „1789 Diktatur der Politik – 1889 geistiger Zusammenbruch – 1989 Das Recht zu…

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