Ausstellungen: Brüssel , 1979

Wolf Schön

Die neueste Kunst aus Amerika: Patterning Painting

Palais des Beaux Art de Bruxelles, 19.1. – 18.2.1979

Esperanto für die Malerei

Die Kunstszene, ausgedörrt in den mageren Jahren intellektueller Selbstbespiegelung, wird wieder mit frischem Augenfutter versorgt: Eine Malerei aus Mustern und Ornamenten will die universelle Bildsprache von heute sein.

Als sich die Malerei im unsichtbaren Nirwana der Concept Art verflüchtigt hatte, als die Avantgarde glaubte, die allerletzte Grenze von der profanen Anschaulichkeit zum puren immateriellen Gedankenobjekt überschritten zu haben, sah es so aus, als gäbe es zum ersten Mal in der Geschichte der bildenden Kunst kein Vorwärts mehr, sondern nur ein Zurück. Jetzt stellt sich, und das nicht zum ersten Mal, heraus, daß die nachdrängende Opposition gar nicht daran denkt, sich mit der ästhetischen Hinterlassenschaft der Vorkämpfer von gestern in einem gemeinsamen Krisenmanagement auseinanderzusetzen. Was die künstlerische Progression vorantreibt, ist der erhoffte Sturz der regierenden Partei, rigorose Mißachtung der sanktionierten und akzeptierten Werte – der Erfolg der Revolte steht bezeichnenderweise fast immer in einer direkten Beziehung zu ihrer Unberechenbarkeit.

Nicht die emsigen Verfolger, die Weiterund Umdenker der Vorhut gelangen ans Ziel, sondern die, die aus der vorgezeichneten Bahn ausbrechen, Haken schlagen und die Logik des historischen Fortschritts auf den Kopf stellen. Das war bei der Pop Art so, als sich die hochkultivierte, überzüchtete Peinture französischer Provenienz unvorbereitet der lauten, ordinären, aber vitalen Straße stellen mußte. Und das geschieht jetzt wieder: Die esoterische, keusche „Kunst im Kopf“, deren interessanterer Teil in der hochgestochenen Theorie besteht, droht seitwärts von einer Welle überrollt zu werden, die sich durch…

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