Titel: europa 79 · von Gudrun Inboden · S. 36
Titel: europa 79 , 1979

Gudrun Inboden

europa 79 – Ein Beitrag zur Krise des Geschichtsbewusstseins

„The 70s are very empty“, konstatiert Andy Warhol 19751: ein Fazit über die Kunst seit dem Ende der 60er Jahre, das so negativ ausfallen muß, wenn man wie Warhol „populäre“ Kunst gemacht hat und einer Entwicklung zusieht, die sich dagegen privatistisch, verinnerlicht, mystizistisch ausnimmt und die auch von kunstkritischer Seite bereits 1969 als „romantic“ empfunden wird.2 Hiermit dürfte zu Recht jedoch nur ein Teil der Kunst der 70er Jahre gemeint sein, nämlich aus der Realität mehr oder weniger sich hinwegprojizierende Richtungen wie Spurensicherung, individuelle Mythologie, bestimmte, ausschließlich auf die Person des Künstlers bezogene Formen der Body Art und Performance, vielleicht auch die nach-mini-malistische, nicht-relationale Plastik, die zunehmend Einzelaspekte ihrer Materialität isoliert und diese allein für sich betrachtet und darstellt.

Demgegenüber können damit (mit „romantisch“ und aus Warhols Sicht „leer“) nicht gemeint sein die Concept Art und ihr nahestehende Künstler mit semiologischem Ansatz, da hier die auf sich selbst bezogene materielle Form uninteressant wird vor der Frage nach der Idee (Kosuths „Art as Idea as Idea“) bzw. nach der Beziehung zwischen Werk und seinem sozialen, geschichtlichen Umfeld (Buren, Broodthaers).

Bemerkenswerterweise schließen die Künstler in der Stuttgarter Ausstellung größtenteils an (allerdings nicht linguistische) Formen der Concept Art an, wenn man hierunter im weiteren Sinne die Absage an „gestalt-formalen Stil“ zugunsten „denk-formaler Kunst“ versteht, wie Johannes Cladders dies in bezug auf Giulio Paolini ausgedrückt hat. Die Absage an die formal-ästhetische Innovation ist zugleich die Absage an (Kunst-) Geschichte, die sich bis in die 60er Jahre hinein…

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