Amine Haase
Gegen das triumphale Unheil – Rückzug in den Elfenbeinturm
Die Mehrzahl der Inszenierungen von Groß-Ausstellungen dieses Sommers vermittelt: Die Kunst betrachtet sich im Spiegel ihrer eigenen Geschichte
„Die Kunst ist ein Gebiet, durch das viele
wichtige Ereignisse nicht durchkommen.
Dieser Filter ist die Form.“
Artur Zmijewski
Vielleicht erzeugen diese massenhaften Riesen-Auftritte von Kunst tatsächlich einen tödlichen Strudel. Das alle zehn Jahre sich wiederholende zeitliche Zusammenfallen von Biennale Venedig, Documenta Kassel, Skulptur Projekte Münster schafft einen maximalen künstlichen Sog, in dem alles zu verschwinden droht. Anstatt den Blick zu schärfen und die Freude an der Kunst zu steigern, verstellen die vervielfältigten Ausstellungs-Vorschläge die freie Sicht und lassen die Lust am Kunst-Erleben erlahmen. Die Schlussfolgerung konnte man bereits vor zehn Jahren ziehen, als der Kunstsommer 1997 tausendundeine „Panikblüten“ trieb (sh. Kunstforum Band 138). Damals war die zentrale Schau der Biennale Venedig äußerst schwach. „Futuro, Presente, Passato“ (Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit – in Umkehrung der herkömmlichen Abfolge) hatte Germano Celant seine konventionelle Kunst-Auswahl überschrieben und vor allem auf Bewährtes gesetzt. Das erscheint in diesem Jahr in der Auswahl des amerikanischen Kurators Robert Storr ähnlich. Der Exkurs ins Politische ist säuberlich von der „reinen“ Kunst getrennt, so dass Storrs Versprechen unerfüllt bleibt, nämlich dass die Kunst, so wie er sie zeigt, uns lehren würde „mit den Sinnen zu denken und mit dem Verstand zu fühlen“ (pensa con i sensi, senti con la mente). Die Documenta X, die Catherine David 1997 in Kassel präsentierte, berief sich auf eine „Retroperspektive“, die Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen berücksichtigen wollte. Die Theorien der…
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