Titel: documenta 12 , 2007

Auf Chinesischen Stühlen?

Der Kunsthistoriker Hans Belting äußert sich im Gespräch mit Amine Haase zu Form und Inhalt, zur westlichen Moderne und zur Globalisierung, zu Kunst und Kunstbegriff der Documenta 12

Wer wäre ein besserer Gesprächspartner für einen Gedankenaustausch über diese Documenta, die einer „Migration der Form“ nachgehen will, die keine dogmatischen Kunsttheorien vorführen und die Möglichkeiten der Freiheit in Zeiten der Globalisierung aufzeigen möchte? Hans Belting, Kunsthistoriker, Medientheoretiker und Bilderforscher hat sich nie nur innerhalb der Grenzen eines akademischen Fachs bewegt. Der Titel des von ihm an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung gegründeten interdisziplinären Graduiertenkollegs „Bild-Körper-Medium. Eine anthropologische Perspektive“ ist gleichzeitig Programm. Der Mensch steht im Zentrum der Betrachtung. Das ist Garantie dafür, dass der Blick sich weitet. Belting schrieb Bestseller der Kunstgeschichte, unter anderem 1990 „Bild und Kult“, 1998 „Das unsichtbare Meisterwerk“, 2005 „Das echte Bild“. Und er stellte bereits 1983 die Frage „Das Ende der Kunstgeschichte?“ und ließ „Eine Revision nach zehn Jahren“ folgen – ohne Fragezeichen im Titel. Wobei das Ende der Kunstgeschichte nicht mit dem Ende der Kunst zu verwechseln ist. Über „Die Ungeduld mit dem Ende“ hat Belting sich kritisch geäußert. Seine Schriften beleuchten die Bezüge zwischen Bild und Sprache und verdeutlichen, dass weder ausgefeilte Bild-Theorien, noch subtile Bild-Praktiken ohne das Wort auskommen – mit der Konsequenz immer neuer Visualisierungs-Versuche. Folglich gebiert die Moderne immer wieder eine neue Moderne. Und Belting stellt die Frage, welches Kulturverständnis wir haben, wenn wir anderen Kulturen begegnen: „Die Kulturen verlieren ihren festen geographischen Ort und leben als Bilder in…

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