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Titel: documenta 12 · von Susanne Boecker · S. 162 - 165
Titel: documenta 12 , 2007

Documenta 12 – ein Rundgang

Fotografiert von DIETER SCHWERDTLE, Wahrnehmungshilfen und Kommentaren zu den einzelnen Künstlern von SUSANNE BOECKER

Sanja Ivekovic

Poppy Field, Installation 2007

Sanja Iveković hat das Areal vor dem Museum Fridericianum mit einem Meer aus Klatschmohn in einen roten Platz verwandelt. In der von ihr inszenierten transitorischen Performance der Natur verdichtet sich die Bedeutungsvielfalt der Mohnpflanze: In der Antike als Blume des Schlafes, Vergessens und Todes mythisiert, in der Romantik als „Laudanum“ verklärt, in vielen englischsprachigen Staaten ein Symbol für gefallene Soldaten, heute eine Anspielung auf den Drogenkrieg in Afghanistan… Mit Sanja Ivekovićs Natur-Kunst gab es zunächst Probleme, und zur Eröffnung der documenta12 zeigte sich der Friedrichsplatz als verunkrautete, staubige Fläche: Vögel und Wind hatten die ausgestreuten Mohnsamen von dem ungenügend bewässerten Terrain davongetragen. Doch man legte nach und so ist die Saat nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch aufgegangen. Die Künstlerin freute sich: „Jetzt, da die rote Farbe sich langsam über den Friedrichsplatz ergießt, habe ich die Hoffnung, dass er zum ‚roten Quadrat’ oder ‚roten Platz’ wird. (Vielleicht wird der Friedrichsplatz irgendwann zum Rosa-Luxemburg-Platz?) Es ist an der Zeit, dass die Stimmen der Frauen gehört werden.“ Jeweils um 12.00 Uhr und um 17.00 Uhr ertönen neun Lieder über Lautsprecher. Die ersten vier Lieder (das erste davon ist „Red Poppies“) werden von dem Chor der Zagreber Frauengruppe Le Zbor in kroatischer Sprache gesungen. Die alten Revolutionslieder, die von jungen Kroatinnen ausgewählt wurden, sind nicht nostalgisch gemeint, sondern als Wunsch, die unterdrückten Erinnerungen an die sozialistische Vergangenheit des Landes zu aktivieren. Die anderen…

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