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Titel: documenta 12 · von Susanne Boecker · S. 216 - 223
Titel: documenta 12 , 2007

Fridericianum
Level 3

Hito Steyerl

Lovely Andrea, Medieninstallation 2007

Hito Steyerls “Lovely Andrea“ ist ein Essayfilm: Die Haupterzählung handelt von der Suche nach einem Erotik-Foto, das circa 1987 von der Künstlerin in Tokio gemacht wurde. Kombiniert ist diese Geschichte mit anderen Bildern des Hängens und Fesselns: Superheldengeschichten, Leda und dem Schwan von Moholy-Nagy, Verbiegungskünstlern und Guantanamo-Häftlingen. Die Wahl des Themas hat unmittelbar etwas ihrer eigenen Biographie zu tun. Als 19-Jährige hat Steyerl selbst einmal als Bondagemodell in Japan gearbeitet. „Ich habe angefangen mich daran zu erinnern, als ich die ersten Bilder aus Guantanamo sah, sagt sie. „Man könnte sagen, man hat es hier mit einer Art von politischem Bondage von ungeahnten Ausmaßen zu tun.“ Die Künstlerin interessiert die provokante Vieldeutigkeit des Bondage: „Ich glaube das ist eine Situation, in der das Verhältnis von Abhängigkeit und Unabhängigkeit, von Sicherheit und Sicherung – meinetwegen auch gewaltsamer Sicherung – und Freiheit ganz stark verdichtet wird.“
Hito Steyerl:
“There is bondage all over the place.
Bondage ist überall. Ich fessle; du fesselst; wir sind gefesselt. Die Kunst des Knotens ist nicht nur in Abu Ghraib und Guantanamo populär. Ich spinne; du spinnst; wir sind verbunden. Netzwerke und Webs, Seilschaften und Abhängigkeit: Wir sind drin.
It´s art!
Auf einem Foto von 1987 bin ich nackt mit Seilen gefesselt zu sehen.
Das Foto wurde in Tokyo aufgenommen und zeigt die japanische Fesseltechnik Nawa Shibari. Lovely Andrea zeigt die Suche nach diesem obskuren Pornobild in der Tokyoter Bondageszene, in Sexarchiven und bei jenen Spezialisten des Fachs, die das nackte Leben als Kunst verstehen.
Inside the web…
Lieber gefesselt…

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