Titel: documenta 12 , 2007

Ai Weiwei

Das Märchen von 1001 Chinesen

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Ai Weiwei, 1957 in Beijing geboren, ist mit seiner Idee, 1001 Chinesen nach Kassel kommen zu lassen, 100 in 7 Tagen, wohl auf der documenta einer der populärsten Künstler aus China. Er, der sich nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Architekt einen Namen gemacht hat, war auch am Entwurf für das Olympiastadion in Beijing beteiligt. Wer verstehen will, was Weiwei unter Kunst versteht, muss tief in die Lebensgeschichte des Sohnes eines in die Abgeschiedenheit verbannten Vaters eintauchen. Heinz-Norbert Jocks hat es versucht und einiges aus ihm herausgekitzelt, worüber er mit niemandem zuvor in Europa sprach.

H.-N.J.: Ich wüsste gerne mehr über dein Leben in China im allgemeinen und im besonderen darüber, was du in Kassel machst. Wie begann das alles?

A.W.: Ich heiße Ai Weiwei. Bin 1957 geboren und verbrachte meine ersten einundzwanzig Lebensjahre in China. Mein Vater, der in Paris Kunst studiert hatte, wurde bei uns später ein sehr bekannter Dichter. Als ihm im Jahr meiner Geburt unterstellt wurde, ein Rechter zu sein, musste er als Feind der Partei mit der ganzen Familie in die Verbannung. So verbrachte ich meine Kindheit und Teile meiner Jugend in dem nahe der russischen Grenze gelegenen Ort Xinjiang. Weit weg von Beijing, in dieser lausig verlassenen, von allem abgeschnittenen Provinz, die so abgeschieden wie die Wüste Gobi ist, erlebte ich die große Kulturrevolution. Mein Vater musste als Kloputzer des Dorfes schuften, während ich als Kind auf den Feldern arbeitete, wo gerade Bedarf war. Alles in…

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von Heinz-Norbert Jocks

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