Titel: Westkunst , 1981

Marlis Grüterich

Gegenwart nur in der Vergangenheit?

Ausschnitte aus Gedanken zur Westkunst vor und während einer Ausstellung gleichen Titels.

von Marlis Grüterich

Alle sprechen von Thesen – wir sprechen von Existenzen. Auf die „Westkunst“ läßt sich gut schimpfen – zumal wenn die eigenen Interessen unausgesprochen deutlich werden sollen. Das nicht hoch genug einzuschätzende Unterfangen, die Kunstgeschichte unseres Jahrhunderts als Künstler-Kunstgeschichte für alle aufzubereiten, gegenwärtig zur Diskussion zu stellen, ist irgendwie im Informel stecken geblieben. Die Oper wurde nicht mit dem vollen Einsatz der Subjektivität der Ausstellungsmacher inszeniert. Sie wird deshalb auch nicht als überzeugte Operninszenierung akzeptiert.

Die ewig Gestrigen, die die Kunst immer erst aufregend finden, wenn sie etabliert, etwas beruhigend Höheres ist, trauern über die aktualisierende Störung der Chronologie durch die Präsentation der Querverbindungen ihrer Motivationsgeschichte.

Trauriger sind die an der Kunst als lebendigem, horizont-öffnenden Phänomen Interessierten. Sie brauchen die gemeinsame Unruhe mit lebenden Künstlern ihrer Wahl, um überhaupt eine gewisse innere Ruhe zu finden.

Die Versuchung des Heiligen Antonius

Alle sprechen von Thesen – wir sprechen von Existenzen. Wir – das sind die Künstler und Kunstvermittler, mit denen ich darüber gesprochen habe – wir hatten verstanden, daß der erfahrene, von, mit und für Avantgarde lebende Taktiker Kasper König die großzügigen Mittel besorgt hatte, um gemeinsam mit dem kritischen Verteidiger der Avantgarde Laszlo Glozer eine Lanze für die Gegenwartskunst zu brechen, Marktansprüche nicht nur zu korrigieren, sondern ihnen auch zu widersprechen. Sie wollten es den Künstlern gleichtun, die Überführung des Stoffs für Utopien aus verbrauchten Vergangenheitsformen in unverbrauchte Gegenwartsformen aufspüren. Ihre Strategie schien die Verführung der Gleichgültigen,…

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