Titel: Westkunst · von Annelie Pohlen · S. 128
Titel: Westkunst , 1981

Groß einsteigen und dünn auslaufen

Von den Gefahren der „Westkunst“ und der Eintracht der Kunst

von Annelie Pohlen

In trauter Eintracht, so freut man sich seitens der Verwaltung, zeige Köln sein bedeutendes Kunstgesicht. Die wenigen Boykotteure, darunter immerhin die städtische Kunsthalle, verschweigt man. Alles zum höheren Ruhme der Kunst. Warum eigentlich immer wegwischen, daß der private Kunstvertrieb mit Kommerz zu tun hat? Wovon sollten die daran Beteiligten denn sonst leben? Daß nun im offiziellen Teil der „WESTKUNST“ der Kommerz eingebrochen ist, das ist eine ganz andere Frage.

Zwei Dinge seien hier verfolgt: zum einen die offizielle Veranstaltung als ‚Geschichtsschreibung‘ von heute aus, zum anderen die halboffiziellen und privaten Veranstaltungen als Rahmen. Das ist zweierlei und eins zugleich; weil – wie offiziell getrennt – doch hinsichtlich der „WESTKUNST“ einiges weniges ins Lot gerückt wurde. Die bestechende Ansammlung und gelungene, subjektiv legitimierte Inszenierung von Inkunablen aus den Jahren 1939 bis in die Mitte der 60er zu rühmen oder dennoch zu kritisieren, ist hier nicht beabsichtigt. Verfolgt sei hier jene Auslassung, die zwar allenthalben angemerkt, doch mangels reflektierter Begründung nicht als elementarer Fehler herausgestellt wird. Es geht darum, daß die Westkunst allen anderslautenden Aussagen zum Trotz im Grunde in die Nähe von Tutenchammun und Staufern geraten ist. Das ist überspitzt formuliert. Doch es spielt im Grunde keine Rolle, wie museal ein Gegenstand ist, wenn wir weiter zulassen, daß Kultur erst dann respektiert wird oder wir dazu bereit gemacht werden, wenn ihre Betroffenheit und ihr Betroffen-Machen längst in den Bereich der Erinnerung gerückt ist. Was für die Kunst…

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