Kunstforum-Gespräche , 1995

Gehören Corinths »Rosen« wirklich dem Städtischen Museum Braunschweig?

Peter Funken sprach mit Rechtsanwalt Jörg Rosbach, Berlin, über den Rückübertragungsanspruch auf Lovis Corinths Ölgemälde »Rosen«

P. F.: Die Erben des jüdischen Kaufmanns Willy Cohn stellen derzeit Rückübertragungsrechte an das Städtische Museum Braunschweig. Dort befindet sich seit 1944 Lovis Corinths Bild „Rosen“, das 1919 entstand und Teil der Sammlung Cohn war.

J. R.: Die Besitzer des Bildes waren Willy und Helene Cohn aus Halberstadt. Willy Cohn besaß bis 1938 ein Kaufhaus in Halberstadt und wohnte in einer Villa, die es heute noch gibt. Bis 1933 war er „sozialdemokratischer Stadtrat.“ Laut „Aussage von Dr. Carl Schwarz,“ der bis 1933 das Jüdische Museum in Berlin und später das Tel Aviv Museum leitete, besaß das Ehepaar Cohn eine kleine Gemäldesammlung. Hauptwerk war das Ölbild „Rosen“ von Corinth, zur Sammlung gehörten auch die Aquarelle „Landschaft bei Tapiau“(1918) und „Regentag am Walchensee“ von Corinth.

Die drei Werke waren 1926 Leihgaben in der Berliner Corinth-Gedächtnisausstellung und sind im Katalog aufgeführt. Nach Angabe von Dr. Schwarz besaßen die Cohns ebenfalls Gemälde von Lesser Ury; über die Sammlung weiß man sonst nichts.

Was ist über das Schicksal des Ehepaars Cohn bekannt?

Die Villa der Cohns wurde beschlagnahmt und zwangsverkauft. 1938, noch vor der Progromnacht, starb Helene Cohn. Willy Cohn mußte in ein „Judenhaus“ in Halberstadt ziehen. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und starb dort. Am 8. Mai ’45 erklärte man ihn für tot.

Alfred Rosenberg bezeichnete Corinths späteres Schaffen als „schleimige, bleiche Rassenvermischung des neusyrischen Berlins“. 295 Werke Corinths wurden von den Nazis aus…

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