Magazin: Publikationen , 1995

Klaus Theweleit

Buch der Könige

Genies residieren wie Könige auf ihren unantastbar erhabenen Positionen, jedenfalls will es die Idealvorstellung von ihnen so. Trotz des Kampfes um eine demokratische Welt, der auch im Feld der Kunst geführt wurde, hat sich diese Bastion einer hierarchischen und patriarchalischen Ordnung in den meisten Köpfen bis heute gut gehalten. Klaus Theweleit, der sich schon mit seiner ersten Studie „Männerphantasien“ (1977/78) vom akademischen Betrieb verabschiedete, indem er in diesem abgewertete Strömungen wie Psychoanalyse, Trivialkultur, Film und Feminismus integrierte, unternimmt mit seinem derzeitigen Langzeitprojekt einen Versuch die Strukturen kultureller Macht weniger von außen, als von innen, d.h. von der Subjektseite her zu dekonstruieren, ohne dabei auf die Potentiale zu verzichten, die die Kunst selbst, und nicht zuletzt in ihren „genialen“ Exponenten, gegen eine lieblose, in Ungerechtigkeit erstarrende Welt aufbietet.

In Band 1 (1989) ging es um jene in den Produktionsprozeß des Genies involvierten Personen, die dabei im Hintergrund, wenn nicht auf der Strecke bleiben. Letzteres bleibt traditionell Frauen vorbehalten, die darin bis heute dem Mythos von Orpheus und Eurydike gemäß – der allerdings von Theweleit seiner die Tatsachen beschönigenden Funktion überführt wird – das erhabene Werk durch ihre Opferrolle nähren. In Band 2 rückt das Verhältnis des Künstlers zur explizit politischen Macht in den Mittelpunkt. Spätestens hier erweist sich die selbstgewählte Kennzeichnung seiner Bücher als Kriminalromane als gerechtfertigt, wenn nämlich am Beispiel eines Künstlers (Gottfried Benn) das Verbrechen rekonstruiert wird, das jener an sich selbst verübt hat, indem er zeitweise seine ganze ästhetische Sensibilität zum Schweigen brachte, nur um als…

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von Michael Hauffen

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