Titel: Spontanmalerei · von Michael Schwarz · S. 46
Titel: Spontanmalerei , 1977

Michael Schwarz

Spontanmalerei

Über das Verhältnis von Farbe und Gegenstand in der neueren Malerei

Der Vorsatz von Jochen Gerz ‚Den Medien den Rücken kehren – leben‘ trägt seine Uneinlösbarkeit in sich. Die Medien haben die Kunst längst eingeholt, und es ist heute eher die Frage: was läßt sich mit ihnen anstellen? Im Augenblick scheint es, als seien die Künstler entschlossen, sie zum Thema ihrer Arbeit zu machen. Denn seit einiger Zeit beschäftigen sie sich in nahezu allen Gattungen mit jenen Bedingungen, die durch die Mittel ihrer Werke gestellt werden. Die Medienfrage ist zu einer zentralen Frage der bildenden Kunst geworden. Für dreidimensionale Artefacte begann die Problematik mit der konzeptuellen Minimalart und der Definition von Robert Morris: ‚Skulptur. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung: Jene Gruppierung von Arbeiten, die keinen offenkundigen informatorischen Inhalt oder eine einzige Blickrichtung aufweisen.1 Es wäre hinzuzufügen: als den, den sie selbst darstellen. So stand es schon 1966 im Artforum. Die von Joseph Kosuth betriebene Trennung der Ästhetik von der Kunst schuf eine weitere Voraussetzung für die Beschäftigung der Künstler mit den oft sehr einfachen Konditionen ihrer Mittel. Dabei ist es ohne Belang, wenn – vornehmlich durch den Betrachter – erneut ästhetische Beurteilungen eingeführt werden – ohne Belang, weil die ästhetische Ordnung nicht Ziel, sondern meist ein nur schwer zu vermeidendes Ergebnis war. Diese Richtung wurde zum ersten Mal von Klaus Honnef in seiner 1974 gezeigten Ausstellung ‚Geplante Malerei‘ zusammengefaßt. Den Ansatz der dort vereinten Maler illustriert unter anderem der folgende Satz von Winfred Gaul: ‚Die Entscheidung für oder gegen ein…

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