Amine Haase
Unschuldige Ungeheuer
Die 55. Biennale Venedig zwischen C.G. Jungs „Rotem Buch“ und Aby Warburgs „Mnemosyne“
Die junge Nacht liegt wie ein kühler Duft
auf dem Canal, und grauer nun und greiser
sind die Paläste und die Gondeln leiser,
als führte jede einen toten Kaiser
in seine Gruft.
Aus „Venedig“ von Rainer Maria Rilke
Eine Ausstellung, die mit dem „Roten Buch“ von C.G. Jung beginnt und nach einigen Kilometern Weg durch zahllose Kunsträume mit Walter De Marias „Apollo’s Ecstasy“ endet, macht kein Geheimnis daraus, auf welche Weise wir auf das schauen sollen, was wir oft so gedankenlos „Kunst“ nennen, und mit welchen Überlegungen desjenigen, der uns auf diesen Parcours schickt, wir uns auseinanderzusetzen haben. Die Traumaufzeichnungen des Schweizer Begründers der analytischen Psychologie entstanden zwischen 1914 und 1930, die Boden-skulptur des amerikanischen Landart-Künstlers, bestehend aus 20 goldglänzenden Bronze-Stäben, 1990. Die an mittelalterliche Handschriften erinnernden Buchseiten C.G. Jungs sind Spiegelbilder intensiver Selbsterforschung eines Psychiaters. Die raumgreifende Skulptur des in Berkeley ausgebildeten Walter De Maria ist eine Ikone der Minimal-Kunst. Ja, De Marias minimalistischen Bronzen – so sein „Broken Kilometer“ in der New Yorker Dia Art Foundation – sind ebenso wie seine konzeptuellen Arbeiten – so sein „Vertikaler Erdkilometer“ für die Documenta 6 von 1977 – als Archetypen der jüngeren Kunstgeschichte zu bezeichnen. Womit wieder C.G. Jung und seine Theorie zu „universell vorhandenen Urbildern“ ins Spiel kommen. Seine „Psychologie und Pathologie sogenannter occulter Phänomene“, Titel seiner Dissertation, und seine Heilmethode der Kunsttherapie, mäandert durch alle Räume.
Massimiliano Gioni, der die zentrale Ausstellung der 55. Biennale Venedig…
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