Titel: 150 Jahre Fotografie , 1976

150 Jahre Fotografie

1. Teil

Im Jahre 1826 – also vor 150 Jahren – fertigte Nièpce die erste Photographie. Seitdem wurde milliardenfach auf den Auslöser gedrückt, eine Riesen-Industrie ist entstanden, die nahezu alle Haushalte mit Kameras und lichtempfindlichem Material versorgt – eine gigantische Bilderflut läßt die Photoalben wachsen.

Der Kunstbetrieb jedoch hat diesem populären Medium die Anerkennung als Kunst lange versagt. Erst spektakuläre Auktionsergebnisse (die erste reine Photoauktion fand 1971 bei Sotheby’s statt) haben das Interesse und die Aufmerksamkeit geweckt. In geradezu hektisch wirkendem Nachholbedarf scheinen inzwischen Photoausstellungen in Museen, Galerien und Kunstvereinen herkömmliche Ausstellungen mehr und mehr zu verdrängen.

Handelt es sich hier vielleicht um einen schnell wieder abflauenden Trend?

KUNSTFORUM nimmt den 150jährigen Geburtstag zum Anlaß, um das Medium Photographie in zwei nacheinander folgenden Bänden zu untersuchen. In dieser ersten Folge versucht Klaus Honnef herauszuarbeiten, worin das Medienspezifische der Arbeit des Photographen liegt. Er geht dabei über Benjamin hinaus, der sein Augenmerk auf das Problem der Vervielfältigung gelegt hatte, die Tatsache aber vernachlässigte, daß die Photographie eine Möglichkeit eröffnet, die konkrete Wirklichkeit mit einer vorher nicht erreichten und, weil sämtliche technischen Voraussetzungen fehlten, auch gar nicht erreichbaren Beweiskraft und Sinnfälligkeit zu reproduzieren.

Lothar Romain erläutert im Anschluß daran die Photographie am Beispiel von Hilla und Bernd Becher.

Welche Rolle spielt nun die Photographie heute im Kunstbetrieb? Gibt es Photomuseen, Photogalerien, gibt es spezielle Photosammler und Photokritiker? Was ist verkäuflich, was nicht? Um auf diese Fragen sachgerechte Antworten zu bekommen, führten wir ein Gespräch mit dem ersten deutschen Photogaleristen, dem Kölner Jürgen Wilde, der wohl als…

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