Gespräche mit Sammlern · von Georg F. Schwarzbauer · S. 222 - 231
Gespräche mit Sammlern , 1978

Das Sammlerporträt

19. Folge

Georg F. Schwarzbauer

Arnulf Rainer

Die Sammlung Rainer, sie beschäftigt sich ausschließlich mit der Kunst der Geisteskranken, muß unter ganz speziellen Gesichtspunkten gesehen werden. Arnulf Rainer bezeichnet sich selbst nicht als Kunstsammler, sondern eher als einen überaus interessierten Beobachter, der von der Vorstellung ausgeht, das anfallende Material weiter zu bearbeiten, zu analysieren, es in einem ganz spezifischen Kontext darzustellen. Nicht die „künstlerischen Äußerungen“, jene Erscheinungsbilder die unter der Bezeichnung „Art Brut“ in den vergangenen Jahrzehnten bekannt geworden sind und schon eine verhältnismäßig breite Aufarbeitung gefunden haben, stehen im Vordergrund des Interesses, sondern die von der bildenden Kunst mehr in den Randbereichen angesiedelten Elementaräußerungen der psychisch Kranken. Rainers Verdienst ist es, auf die Wichtigkeit und die Bedeutung dieser Statements Krankengeschichten und habituellen Lebensäußerungen erstmals und unmißverständlich hingewiesen zu haben, wobei das gesammelte Material immer wieder den Ausgangspunkt seiner Untersuchungen bildete. Diese theoretische Auseinandersetzung, einige Auszüge aus dem Ende der sechziger-, Anfang der siebziger Jahre und danach entstandenen Aufsätze werden im Anhang wiedergegeben, führt einesteils zu einer systematischen Erweiterung des gesammelten Materials, bewirkt aber auch anderenteils eine immer dichtere Verknüpfung der eigenen Intention mit den aus dem Studienmaterial gewonnenen Erfahrungen und Anregungen.

Rainers anthropologischen Theorien einer gemeinsamen Urerfahrung des Menschen, die daraus resultierenden sprachlich gestischen Mitteilungen und seine Überlegung zum Themenbereich der Körpersprache, mit den als Gestik, Grimassierung, Autotheater charakterisierten Selbstgesprächen kann ebenso als Teil dieser forschenden Untersuchungen angesehen werden, wie seine Experimente mit Halluzigenen, die aus dem Wunsch resultierten, die erfahrenen Momente des Unterbewußten durch ein bewußtes „Hinuntertauchen auf den Urgrund“ zu…

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