Biennale im Sog der Reaktion
von Klaus Honnef
Fotos: Jonny Zurmühl
Dem kulturellen Geschehen in den Vereinigten Staaten von Amerika ermangele es, so Ivan Nagel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Ausgabe vom 28. August), gegenwärtig „großer intellektueller Anstrengungen, Durchbrüche“. Daraus folgerten manche auf eine untätige, selbstbezogene Narzißgesellschaft, unlustig und handlungsunfähig, während es vielleicht eine einleuchtendere und weniger sensationelle Möglichkeit gebe: „daß der Amerikaner wieder einmal mehr Lust zum Machen als zum Denken verspürt – wie denn die neue Theorie in diesem Land stets nicht vor, sondern nach der neuen Praxis entsteht“.
Wie sieht die Szenerie in Europa aus? In einigen Ländern, in Italien, der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und der Schweiz registrierte man in letzter Zeit den geradezu explosionsartigen Aufbruch einer neuen Malerei, theorieabgewandt, wo nicht gar theoriefeindlich, vital und anarchisch, manieristisch und subversiv zugleich, eine paradoxe Mischung aus (impulsiver Expression und traditionsgesättigtem Kalkül; in anderen, in Frankreich zumal, ein Feuerwerk theoretischer Ansätze, dem Dasein und der Kunst im Zeichen eines radikalen Umbruchs überkommener Bedingungen und Verhältnisse mit kühnem Zugriff und originellen Einsichten ein Stück näherzurücken, nachdem sich die intellektuellen Diskussionen der siebziger Jahre weitgehend in der Dogmatisierung handlicher Pauschalformeln erschöpft hatten.
Womöglich handelt es sich nur um einen simplen Zufall: daß dort, wo eine mitunter sinnenbetörende Malerei sich ungestüm Bahn bricht, im Gefolge plastische Experimente, die vornehmlich malerischen Kategorien gehorchen, die intellektuelle Auseinandersetzung ziemlich flach ausfällt – und umgekehrt. Mit einer Ausnahme vielleicht: Italien, dessen theoretische Köpfe allerdings dazu neigen, die offenen Fragen mit funkelnden Begriffsverpackungen zu verhüllen.
Zumindest, was die zeitgenössische Kunst anbetrifft, durfte…
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